Länderbahn Forum 1/00
Inhaltsverzeichnis:
1. Kurz belichtet
2. Umbau
von Industriemodellen für die Epoche I
3. MÄRKLIN/TRIX
WÜRTTEMBERGER ZUG UM 1859" IN HO
4. Ein Rai-Mo Modell
umgebaut Teil 1
5. Signalgeschichte der
Länderbahnen: Die optischen Telegrafen
6. Alles
Modul - oder? Vom Diskussionsansatz zur Implementation
7. Die preußische S
6

Lieber Länderbahnfreund,
Das erste Heft des vierten Jahrgangs des Länderbahn Forums ist wieder gefüllt mit neuen
Beiträgen zu unserem vielseitigen Hobby.
Seit langer Zeit finden Sie auch wieder einen Beitrag zum Umbau von Industriemodellen, ein
Bereich der in den letzten Ausgaben etwas zu kurz gekommen ist. Heute wird zunächst ein
allgemeiner Ansatz definiert, aber ab der nächsten Ausgabe geht es dann mit konkreten
Umbaubeschreibungen los.
Leider gibt es aber auch eine weniger erfreuliche Information. Es scheint daß ich und
vielleicht auch andere Leser des LBF auf den Trick des Herrn Balimesov aus Bulgarien
herein gefallen sind. Bei mir war es die Information, daß eine neue
Mo-dellbahnzeitschrift gegründet werden soll und daß um eine Spende bzw. eine
kurzfristige Anleihe zur Anschaffung einer Druckmaschine gebeten wird. Von zumindest einem
Leser habe ich aber inzwischen erfahren, daß auch besonders attraktive Angebote für
Kleinserienmodelle gemacht wurden, welche mittels Vorausbezahlung zugesandt werden
sollten.
In beiden Fällen ist aber leider kein Bericht mehr aus Bulgarien empfangen worden. Ich
möchte Sie an dieser Stelle auf jeden Fall warnen um Geldbeträge an Herrn Balimesov zu
übersenden, ohne daß Vorausleistungen statt gefunden haben.
Nun aber genug über diesen besonders unerfreuliche Vorfall und zurück zu den
erfreulichen Dingen des Lebens.
Unter dem Titel Alles Modul - oder? möchte ich in einem Beitrag die
Diskussion um einen Modulstandard in das nächste Stadium, nämlich der Wahl eines
definitiven Ansatzes bringen. Ihr Stimme hierzu ist wichtig, bitte machen Sie davon
Gebrauch.
Desweitern bitte ich Sie ebenfalls um eine Reaktion zu geben zum Thema
workshops. Wünschen Sie weitere workshops vom Länderbahn Forum und wenn ja,
welche Themen möchten Sie abgedeckt sehen?
Auf der Rückseite finden Sie wieder ein (Fax-) Antwortformular, welches Sie mir mittels
email zusenden können.
Apropo elektronische Kommunikation. Seit einigen Monaten besteht die Möglichkeit um
online mittels email und Internet interaktiv mit einander zu kommunizieren. Noch ist die
Gruppe der Benutzer relativ klein (sicher angesichts der stetig wachsenden Gruppe Leser,
welche via Internet das LBF lesen), aber vielleicht ist es ainfach auch die fehlende
Bekanntheit mit dem Medium. Deswegen erneut mein Aufruf an Sie:
Schreiben Sie sich ein als Benutzer und nutzen Sie die Gelegenheit mit anderen LBF-Lesern
online zu kommunizieren. Dies verkürzt Wartezeiten und bietet Ihnen die Möglichkeit neue
Initiativen an zu diskutieren, Vorschläge und Fragen mit anderen zu teilen und auch das
eine oder andere über die Vorlieben anderer Leser heraus zu finden.

Kurz belichtet
Weichenselbstbau
Zu diesem Thema erreichten mich bereits einige Zuschriften die ich gerne mit Ihnen teilen
möchte:
Herr Hans-Jürgen Begau schreibt:
will ich nun wie im letzten LBF angesprochen, meine Meinung zum Selbstbau von
Laenderbahnweichen mitteilen. Ich finde die Idee sehr gut, auch gefraeste Schwellenroste
nach Laenderbahnvorbild zu fertigen.
Zur Nachbildung der Kleineisen muessten sich dann die Fachleute finden, die sich mit dem
Thema auskennen und es muessen fuer den Messingguss ja noch Urmodelle gebaut werden.
Koennte jemand aus dem LBF-Kreis so etwas leisten?
Zu den weiteren Fragen:
zur Norm: hier sollte der Bausatz analog zu den entsprechenden HP1Grundsatzartikel so
ausgelegt werden, dass sowohl RP25 als auch H0pur gebaut werden kann. Wegen der niedrigen
Laenderbahnprofile wuerde ich NEM nicht beruecksichtigen.
Es zeichnet sich bei mir die Moeglichkeit ab, in absehbarer Zeit zugang zu einer kleinen
Fraesmaschine zu bekommen. Ich koennte mich dann an der Herstellung der Schwellenroste
beteiligen.
Herr Wolfgang Uhl schreibt zum gleichen Thema:
Von meiner Seite besteht großes Interesse an Bausätzen für vorbildgerechte
Länderbahnweichen, speziell Weichen der K.Bay.Sts.B. zu akzeptablen Preisen. Als erste
Weichenbauform wäre wohl die EW 1:8 geeignet, für die Zukunft die Doppelweiche 1:8
Als Norm wäre RP 25 wohl am universellsten, da darauf die meisten Modelle fahren, bei
HOpur ist der Kreis der Interessenten wohl doch sehr eingeschränkt was zu sehr hohen
Preisen führt. Desweiteren sind die Umbauten für die Spezialisten von HOpur wohl eher
durchführbar als umgekehrt.
Auch eine maßvolle Verkürzung der Weiche sehe ich positiv, um den Platzbedarf der
Weichen nicht ins unermeßliche wachsen zu lassen (Abzeigwinkel 8-10).
Als Preis wäre für mich je nach Vollständigkeit des Bausatzes (fertige Zungen,
Backenschienen, Radlenker und Herzstücke) ein Betrag von 80,- DM für Bausätze bei denen
diese Teile selbst angefertigt werden müssen, bis zu 130,-DM für Baustze bei denen diese
Teile bereits fertig beiliegen akzeptabel.
Herr Wolfgang Uhl schreibt:
Ich möchte mich mit dem Bau einer Weiche nach dem im MIBA Special Nr. 6 beschriebenen
Verfahren ("Gießen Sie sich doch mal eine Weiche") beschäftigen. Dieses
Gußverfahren erscheint mir geeignet zur Erstellung einer Kleinstserie für eigene
Anwendung. Bei Gelingen durch andere "Länderbahner" würde ich
die Ergebnisse auch gerne vorstellen falls Interesse besteht. Unter Umständen ist die
Technik auch üfr Kleinserien im Rahmen des LBF Bauprojekts interessant, dass kann aber
erst ein Versuch zeigen.
Soweit eine erste Übersicht der bisherigen Reaktionen. Um das ganze nunmehr auch etwas
konkreter zu machen, bitte ich Sie bei Interesse erneut um Ihre Reaktion, welche Sie auf
dem Antwortformular vermelden können. Je mehr Reaktionen, die diesem Projekt positiv
gegenüber stehen, desto besser natürlich. Falls Sie sich bereit mit der Herstellung von
Weichen oder Gleisen beschäftigt haben, würden wir natürlich gerne mehr über Ihre
Erfahrungen hören wollen. Bitte melden Sie sich also bei uns!
Messe 2000 - weitere News
Von Herrn Jörg Reincke habe ich folgenden Bericht erhalten:
Da ich Spur 0 Bahner bin ist für mich außer einem wehmütigem Blick auf die
Angebots-vielfallt in der H0 Größe nicht viel im Angebot.Ich finde Ihr Heft trotzdem
sehr Interessant.
Da auch ich in Nürnberg war möchte ich den Messebericht für die Spur 0 ergänzen:
Die Firma A. Kauth aus Ludwigshafen bietet folgendes Fahrzeug in Spur 0 an:
Drehgestell-Rungenwagen Köln SSL in Messing Handarbeit. Mit Bremserhaus, Türen zum
Öffnen, Echtglasverglasung, Speichenräder. LB Ausführungen in preuß.Eisenbahn und
elsaß-Lothr. Eisenbahn. Preis 1.670,00 bzw. 1.795,00DM
Eurospoor 2000
In den letzten Wochen habe ich mehrere Anfragen bekommen zu der großen
Modellbahn-austellung in Utrecht. Diese wird in diesem Jahr vom 17. bis 19. November statt
finden. Sollten Sie die Eurospoor besuchen wollen dann lassen Sie es mich bitte wissen.
Vielleicht können wir dann ein Treffen aller LBF-Besucher organisieren. Und natürlich
besteht dann auch die Möglichkeit um einen workshop in den Niederlanden zu organisieren.
Nähere Info zu dieser Veranstaltung finden Sie auch auf dem Internet unter www.eurospoor.
nl
LBF workshops im Jahr 2000
Zu diesem Thema habe ich einige Fragen bekommen. Ich möchte, soweit möglich, im Herbst
2000 wieder einen workshop des LBF organisieren. Auf der Rückseit dieser Ausgabe möchte
ich gerne wissen, was Sie als nächstes Thema für den workshop gerne haben wollen:
Löten, Modulbau, Gleisbau, Anlagenbau, Gebäudebau, etc. Und natürlich die Frage, wer
diese Themenbereiche begleiten könnte. Ich bitte um Ihre Reaktionen.

Umbau von
Industriemodellen für die Epoche I
von Rainer Gubitz, Koblenz
1. Allgemeines
Im Länderbahnforum wird in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen über Vor- und
Nachteile von Modellen berichtet. Es handelt sich dabei meistens um Messingmodellen, in
der Regel Lokomotiven. Von Industriemodellen im weitesten Sinn ist selten die Rede, obwohl
die meisten Anhänger der Epoche I mit Sicherheit Industriemodelle benutzten. Dies ist
zumindest bemerkenswert, da bei den Industriemodellen sich eine Reihe von Möglichkeiten
bieten, die bei Messingmodellen kaum möglich sind.
In erster Linie werden Industriemodelle der Epoche I im Ursprungszustand des Herstellers
verwendet, aber schnell stellt man fest, daß das heutige Angebot nicht mehr allzugroß
ist, vor allem nicht bei Neuerscheinungen. Bei älteren Modellen, die auf dem freien Markt
zu bekommen sind, stellt man häufig fest, daß die Darstellung, gemessen am heutigen
Standard nicht zufriedenstellend ist. Weiter muß festgestellt werden, daß es eine Reihe
von Modellen hauptsächlich aus der Epoche II gibt, die nicht in einer Epoche I-Version
erschienen sind.
Industriemodelle haben entscheidende Vorteile: Sie sind für eine Modellbahnanlage
geeignet, bei Messingmodellen ist das bei weitem nicht überall der Fall. Industriemodelle
eignen sich durchaus dazu, ein ausgefalleneres Vorhaben zu realisieren. Aufgrund dieser
Möglichkeiten kann der Bestand an Modellen für die Epoche I vergrößert werden.
Umbau/Änderungen bei diesen Modellen lohnen sich unter diesen Umständen durchaus.Nicht
zuletzt ist es in der Regel erheblich preiswerter Industriemodelle zu verwenden als
Modelle der Kleinserienhersteller, vorausgesetzt es gelingt, ein zufriedenstellendes
Resultat zu erreichen. Damit werden aber schon die Grenzen aufgezeigt: Nicht immer ist ein
Umbau sinnvoll, vor allem dann nicht, wenn es aus unterschiedlichen Gründen zu
kompliziert und damit letzten Endes zu teuer wird. Darauf werde ich weiter unten noch
zurückkommen.
Erwähnt werden sollen aber hier auch Bausätze, die durchaus ebenfalls hier eine Rolle
spielen. Wie weit dabei unter den oben erwähnten Gründen gegangen wird, muß jeder
Modellbahner selber entscheiden.Die nun folgenden Kapitel sind nach dieser Einführung in
dieses Thema nicht für den erfahrenen Modellbahner gedacht, er kennt das Thema bestens,
sondern für diejenigen, die sich noch nicht zu lange mit der Epoche I beschäftigen. Es
soll gezeigt werden, daß es durchaus teilweise mit einfachen Mitteln, teilweise aber nur
mit größerem Aufwand möglich ist, aus diesem Hobby mehr zu machen, als auf den ersten
Blick zu vermuten ist.
2. Sachstand
Angestrebt wird bei allen Modellen, dem Vorbild so nahe wie möglich zu kommen.
Einschränkend muß aber erwähnt werden, daß sich hier die Umbauten in erster Linie auf
den 2-Leiter-Gleichstrom-Betrieb beziehen, für den 3-Leiter-Wechselstrombetrieb gelten
sie beim Antrieb nur eingeschränkt. Bei den Lokomotiven werden in erster Linie
Dampflokomotiven aufgeführt, da andere Lokomotiven in der Epoche I keine entscheidende
Rolle spielten.
Weiter muß hier etwas über die Einteilung der Modellbahner gesagt werden. Unterschieden
wird üblicherweise in Sammler, Vitrineure und Modellbahnern, die ihre Modelle auf einer
Anlage betreiben wollen. Hier möchte ich in erster Linie die letzte Gruppe ansprechen.
Der Zeitraum für den Beginn für umzubauende Modelle fängt mit den 70-Jahren an, aus der
Zeit zuvor gibt es nur wenige Ausnahmen. Ab den 70-Jahren sind es hauptsächlich Epoche
II-Modelle, die dafür in Frage kommen. Die Qualität ist nach heutigem Verständnis sehr
unterschiedlich, wie weit sie geändert werden, hängt von den Anforderungen jedes
einzelnen ab. Für die Aufarbeitung können sowohl Bausätze als auch Zurüstteile
verschiedener Hersteller verwendet werden. Dies gilt für alle Typen von ausgewählten
Modellen.
Während es bei Lokomotiven eine Reihe von Möglichkeiten gibt, Vorhaben zu realisieren,
sieht es bei Personenwagen schlechter aus. Es gibt nur wenige Wagen/Bausätze, die sich
als Modelle für andere als für den vom Hersteller vorgesehenen Zweck eignen. Hier
können nur in der Regel Varianten mit relativ großem Aufwand hergestellt werden. In der
Regel bleibt nichts anderes übrig, als die Möglichkeit, die bestehenden Wagen zu
verbessern, sowohl beim äußerem Erscheinungsbild als auch bei der Innenausstattung.
Bei den Güterwagen sieht es besser aus, es gibt eine Reihe von Wagen/Bausätzen, die
sich für den Umbau, aber auch für den Bau von Varianten eignen. Mit Hilfe von
Zurüstteilen können diese Wagen je nach Wunsch geändert werden.
Aber eine Schwierigkeit gibt es sowohl bei Personen- als auch bei Güterwagen: meist ist
es nicht möglich, die passenden Schiebebilder zu bekommen. Bis auf Bayern gibt es für
die anderen Länderbahnen nur Fragmente, kommerzielle Anbieter, die hier weiterhelfen
können, sind in der Regel sehr teuer. Eine zufriedenstellende Lösung ist aus heutiger
Sicht bisher nicht möglich. Erwähnt werden sollen aber auch noch Sonderfahrzeuge, die in
allen Bereichen vorkommen: Hier gibt es kaum eine Möglichkeit für Umbauten.
3. Ziel der Aufarbeitung
Durch Aufarbeitung von Modellen aus anderen Bereichen, wie oben angeführt, werden
Vorhaben realisiert, die in vielen Fällen anders nicht gelöst werden können. Wichtig
ist dabei, früh genug den Aufarbeitungsstandard festzulegen. Dabei kann man grob von drei
Standards bei der Einteilung ausgehen:
- Industriequalität
- verbesserte" Industriequalität (unterer Bereich Richtung Messingbausätzen)
- Messingbausatzqualität
Hier muß jeder Modellbahner sich entscheiden, welchen Standard er bevorzugt.
4. Umbau von Lokomotiven
Am Anfang eines jeden Umbaus steht die Literaturrecherche. Wie man dabei vorzugehen hat,
wurde bereits im Länderbahnforum dargestellt, um an Unterlagen des Vorbildes zu kommen.
Benötigt werden Zeichnungen und Fotos. Weiter ist es notwendig, sich über das
umzubauende Modell zu informieren um zu entscheiden, ob sich das Modell für den Umbau
eignet. Dazu eignen sich alte Kataloge und Artikel/Vermerke aus früheren
Modellbahnzeitschriften. Anschließend muß entschieden werden, ob das betreffende Modell
beschafft wird, ein Vorgang, der nicht ganz risikolos ist, denn sollte sich herausstellen,
daß das Modell für den vorgesehenen Zweck nicht geeignet ist, war die Investition
umsonst. Man sieht, die ganze Angelegenheit nicht ganz problemlos.
Nach der Beschaffung des Modells wird das Modell soweit notwendig demontiert um zu
kontrollieren, in welchem Zustand es sich befindet und um dabei gleichzeitig den Umbau
festzulegen. Zweckmäßigerweise fertigt man sich einen Maßnahmekatalog für den Umbau
an. Dabei sollten folgende Punkte berücksichtigt werde:
- Festlegung der Maßnahmen
- Benötigte Ersatzteile, notwendige Zurüstteile (erhältlich?)
- Festlegung der gewünschten Fahreigenschaften
- Kosten der Ersatzteile/Zurüstteile
- Analyse Gesamtkosten/Nutzen
- Entscheidung zu Durchführung des Umbaus
Nach einer positiven Entscheidung werden die Ersatzteile/Zurüstteile beschafft,
gleichzeitig wird der Selbstbau des nicht erhältlichen Zubehörs durchgeführt. Meistens
wird erst anschließend mit dem Umbau begonnen. Dazu wird das Modell bis zu den
entsprechenden Baugruppen zerlegt und nicht notwendige und unmaßstäbliche Teile
entfernt. Die Baugruppen Lokfahrgestell, Lokobergehäuse, Tenderfahrgestell und
Tenderobergehäuse werden zugerüstet mit Pumpen, Leitungen, Dome usw., ggf. werden die am
Modell vorgegebenen Teile modifiziert.
Die Teile werden z.B. durch Löten, Kleben befestigt, außerdem werden Arbeiten wie Umbau
des Tenderoberteils, z.B. Entfernung eines Teils des Aufbaus durchgeführt. Nieten werden
angebracht, Nietennachbildungen durch Prägen (auf Blech) durchgeführt. Die
Entfernungsspuren werden verspachtelt. Anschließend wird je nach Vorstellung der
Motoraustausch vorbereitet, dazu wird das Fahrgestell vermessen, gezeichnet und ggf.
ausgefräst/gefeilt. Danach wird der neue Motor eingesetzt, meistens kann er vergeklebt
werden.
Bei der Elektrik stellt sich die Frage nach der Beleuchtung. In vielen Fällen müssen die
Lampen ersetzt werden durch vorbildgerechte Lampen, die sich auf einem Stil befinden. Ob
man sich für eine Beleuchtung entscheidet ist fraglich; es möglich, die Stile zu
durchbohren und Kabel durchzuziehen, aber einfach ist dies nicht. Andere Fragen wie die
Verwendung von Auslaufmodulen bei Glockenanker-Motoren oder Einbau von Digitalbausteinen
muß jeder selbst entscheiden.
Nach diesen häufig zeitaufwendigen Arbeiten wird eine Probefahrt durchgeführt. Dazu
verwendet man zweckmäßiger- weise eine Testanlage, bei der alle Forderungen/Standards
für den Betrieb eines Modells vorhanden sind. Meistens genügt für solche Fälle eine
kleine Anlage, bestehend aus Gleisen, in der die geforderten Hindernisse vorhanden sind.
Sollten die Fahreigenschaften nicht zufriedenstellend sein, muß korrigiert werden. Fehler
wie zu tiefe oder zu lange Teile (Beispiel Schienenräumer) sind häufig die Ursache.
Nach der Testfahrt wird das Modell lackiert. Hier wird der Reihe nach geschliffen,
gereinigt, grundiert und lackiert. Nach einer Kontrolle und ggf. Korrektur wird bekohlt
und beschildert. Ob man das Modell mit Personal bestückt und altert, ist auch hier wie
weiter oben beschrieben eine Geschmacksfrage.
Nach dieser allgemeinen Beschreibung für den Umbau muß noch eine Ergänzung für
Personen- und Güterwagen gemacht werden. Der Umbau dieser Wagen ist prinzipiell nicht
anders durchzuführen wie bei Lokomotiven. Das Beschriftungs- problem bei diesen Umbauten
wurde schon weiter oben erwähnt. Bei Personenwagen bietet sich aber für den klassischen
Betrieb die Möglichkeit an, einen Festspannungsregelung zu verwenden, sofern genug Platz
vorhanden ist.
5. Vorschlag für den Umbau von Modellen
Es gibt ein Reihe von Modellen, die sich für den Umbau in Epoche I eignen. Dazu gebe ich
eine Liste von Industriemodellen an, die für diesen Zweck geeignet sind. Diese Liste ist
keineswegs vollständig, sondern unterliegt einem ständigen Wandel. Folgende Modelle
kommen für diesen Zweck in Frage:
Modell
Lieferant
Preuß. T 14
Roco
Preuß. T 14.1 Roco
Preuß. S10.1 Roco
Preuß G10
Roco
Preuß. G 12
Roco
Preuß. G 8.3
Roco
Bayr. P 3/5H
Trix
(Verbesserung)
Württemberg. K Rivarossi
Württemberg T 5 Hamo
Württemberg. T 9 Liliput-Bachmann
Sächs. XII H2 Pico
Sächs. V T
Pico
Sächs. XIII H
Roco
Pfälz. T 4.2
Trix
Pfälz. Pt 3/6
Rivarossi
Pfälz. P 5
Rivarossi
Pfälz. P 2.II
Trix
Sollte jemand weitere Vorschläge haben, bin ich gerne bereit, die Liste zu ergänzen. In
der nächsten Ausgabe des Länderbahn Forum wird der zweite Teil dieses Artikels
erscheinen, in welchem dann zwei detaillierte Umbau- beschreibungen von Bausätzen aus der
Großserie vorgestellt werden.

MÄRKLIN/TRIX
WÜRTTEMBERGER ZUG UM 1859" IN HO
von Herrn Hans-Erhard Lessing, Mannheim
Nachdem der erste Unmut über die Ignorierung der württemberg-typischen 4-achsigen
Amerikanerwagen verraucht ist, weil die kommenden BRAWA-Umbauwagen hierzu rückgebaut
werden können, muß man
Märklin gegen eine Attacke im Eisenbahn-Journal 3/2000 in Schutz nehmen, die da
behauptet, daß a) die Lokomotive nicht stimme (nicht gravierend!) b) es für die
zweiachsigen Güterwagen keine Vorbilder gäbe (falsch!).
Die Diskussion um die Lokomotive verläßt sich auf Zeichnungen, die der aus Nürnberg zur
ME gekommene Dr. Max Mayer für seine Doktorarbeit um 1920 anfertigte. Wie überall in der
Historie verläßt man sich aber besser auf authentische Abbildungen der Zeit, statt auf
spätere Rekonstruktionszeichnungen.
a) Aus Mayer's Nachlaß gibt es ein handgeschriebenes Lokomotiv-Schemabüchlein von über
100 Typen bis 1882. Ob zum 50jährigen Jubiläum 1897 angefertigt oder von Anfang an
laufend nachgeführt, ist nicht bekannt. Mayer hat einiges davon noch weiter schematisiert
in sein Buch übernommen. Wenn Mayers Chronologie in seinem Buch stimmt, dann wurde die
Lokomotive Klasse III in drei Lieferungen hergestellt: eine erste von 6 Stück noch in
Karlsruhe 1847, eine zweite von 14 Stück - darunter die ESSLINGEN zuerst - in Eßlingen
bis zum Baubeginn der ALB-Klasse IV 1847/49 - eine dritte danach in Eßlingen bis 1853.
Zumindest legt dies die Abfolge der Blätter nahe, da größere Abweichungen sicher ein
neues Blatt verdient hätten: Blatt 1 ordne ich der zweiten Serie mit ESSLINGEN zu und
Blatt 6 der dritten Serie nach der ALB (=Blatt 3). Demnach hat die ESSLINGEN den mittleren
Kesselaufsatz, laut Herrn Spielhoff ein Einfülltrichter, nicht i.GGs. zum Modell,
ebensowenig das offene Lokführerstand-Geländer. Mit einem grünen Papierstreifen kann
man es beplanken.
Eine weitere Bildquelle ist der Fahrplan von Ende 1849 einer Klasse III mit dem (grünen)
Zweitklass-Amerikanerwagen (diesen Zug in HO hätte man sich gewünscht!). Wenn der
Zeichner nicht geflunkert hat, dann kann es die Lokomotive von Blatt 1 oder Blatt 6 nicht
sein, sondern eine aus der Karlsruher oder eine
aus einer Eßlinger Lieferung, für die kein eigenes Blatt gezeichnet wurde. Der Tender
mit der asymmetrischen Achsfolge gleicht demjenigen der bei Norris in USA gekauften Klasse
II, vielleicht ist er aber auch ein identischer Nachbau für eine Klasse-III-Serie
(vermutlich die Karlsruher).
b) Die kurzen Güterwägelchen - die amerikanischen Vierachser hat Märklin ausgelassen -
kennt man aus der von Ludwig Klein, dem maschinentechnischen Beamten der KWSt,
herausgegebenben Eisenbahn-zeitung von 1843ff., u.a. abgedruckt bei Räntzsch:
Württembergische Eisenbahngeschichte, Verlag Bleiweis 1996, S. 131/132.
Wir bilden noch die vierachsigen Güterwagen ab, die wesentlich zahlreicher waren, vom
gedeckten Güterwagen gab es immerhin 102 Stück, während es vom zweiachsigen
Pferdetransportwagen nur 8
gab. Firma BRAWA, bitte in Nürnberg 2001 ankündigen!!!

Ein Rai-Mo Modell umgebaut Teil 1
von Bernd Höschele, Bad Urach-Wittlingen
Ich hatte versehentlich letztes Jahr Plastikwagen von Rai-Mo erworben. Übers LBF konnte
ich den Bausatz dann gegen einen bay. Brauereiwagen mit Metallgehäuse umtauschen. Ich
dachte auch mal wieder, daß dies eine kleine Aktion für Zwischendurch werden würde, da
ich an anderen Baustellen gerade nicht weiter machen konnte. Aber ich denke, mal sollte
bei unseren Basteleien sowieso immer mit viel Optimismus rangehen. Nur so kann es was
werden. Es kommt dann ja erfahrungsgemäß eh wieder hammerhart.
Hier war ich aber nicht über alle Maße gefordert. Zuerst machte ich mich daran, das
Gehäuse des Wagens zusammen zu bauen. Zuerst fixierte ich die Teile mit Sekundenkleb,
nachdem die Seitenwände gerade gebogen waren. Durch die lange Lagerung waren die doch
recht krumm. Das Bremserhaus wollte nicht so recht zusammenpassen, weshalb ich hier auch
einiges zurechtfeilen mußte.
Anschließend schaute ich mir die ganze Konstruktion mit dem Plastikdach an. Irgendwie
paßte das nicht so recht aneinander. Das Dach hatte für das Bremserhaus keine
Aussparung. So hätte ich auf der Seite keinen Überhang des Daches gehabt, aber auf der
anderen Seite dafür um so mehr. Also schnitt ich mit der Trennscheibe eine Aussparung
heraus. Zuviel durfte es nicht sein, sonst hätte es nicht gepaßt. In Realität hätte
niemand mehr die Türe des Häuschens aufbekommen. Das sollte natürlich nicht sein! Aber
so hatte ich nun vorne den richtigen Überhang, dafür aber auf der Rückseite praktisch
ein Vordach, das das ganze Bahnhofspersonal eines mittelgroßen Bahnhofs vor Wind und
Regen geschützt hätte.
Es blieb nichts anderes übrig, als das Dach in der Länge zu kürzen. Von der Optik
konnte ich auf einige kopierte Fotos von Bierwagen zurückgreifen. Zudem war ich wegen dem
Bremserhaus eh etwas gebunden.
Dann paßte endlich alles soweit zusammen. Mit dem aufgelegten Dach konnte ich nun das
Bremserhaus in der richtigen Höhe an der Stirnwand fixieren. Das Dach nahm ich wegen der
Lackierung aber wieder ab.
Anschließend versuchte ich nun etwas neues (meinerseits). Mittels Speziallot lötete ich
die Gehäuseteile an den Verzapfungen innen aneinander. Wegen der Dämpfe ist dieses
Verfahren aber nichts für den täglichen Gebrauch. Ich paßte hier schon auf. Von der
Festigkeit der Lötung war ich aber doch überzeugt. Es hält ganz gut. Kleine Teile
lassen sich aber so auch nicht unbedingt anbringen. Es ist doch sehr gefährlich, daß das
gegossene Zink unter der Hitze des Lötkolbens schmilzt. Hier sollte man einen
regulierbaren Lötkolben haben und mit Resten ordentlich üben, bevor man solches am
Modell wagt.
Bei dem Bierwagen habe ich dann nachträglich noch mit Komponentenkleb zusätzlich
versteift. Zumal ich dann später wegen dem Fahrgestell die unteren Verlötungen wieder
abschleifen mußte, samt den Zapfen. Jetzt ging es dann ans Abändern. Die hintere
Pufferbohle war zusammen mit der Rückwand gegossen worden.
Hier schliff ich angegossenen Körbe der Puffer aufwendig und eben ab. In der Mitte bohrte
ich in die angegossene Kupplungskulisse ein Loch, damit später eine Bavaria-Kupplung
Platz fand. In die Pufferbohle wurden zur Aufnahme von gefederten Puffern ebenfalls
Löcher gebohrt. Ich bohre im Zink nur mit dem Stiftenklöbchen. Mittels Maschine
verrutscht man, ehe man sich es versieht. Zudem sitzt schnell der Bohrer mit geschmolzenem
Material zu.
Die vordere Pufferbohle ist ein Gußstück, das die Seitenträger im sichtbaren Bereich
fortsetzt und auch das Trittblech für den Aufstieg ins Bremserhaus aufnimmt. Auf das Teil
wollte ich nicht einfach verzichten. Also nahm ich hier auch die gleichen Änderungen vor,
wie an der Rückseite. Beim Zusammenbau passierte mir hier der Fehler, daß ich das
Auftrittsblech, das über die ganze Breite des Fahrgestells reicht, sofort verklebte. Ich
hätte es erst nach der Lackierung montieren sollen. So hatte ich nachher Schwierigkeiten,
das Weiß des Gehäuses und das Schwarz des Bleches sauber zu trennen. Aber wenn es sonst
nichts ist.......
Schwieriger waren die Änderungen zur Aufnahme des Fahrgestells. Zuerst entfernte ich die
Aufnahmezapfen für das Rai-Mo-Fahrgestell. Dann mußte ich aufwendig die vordere
Pufferbohle ausfräsen, um hier einigermaßen Sauberkeit herzustellen und den einen Zapfen
zu entfernen. Später mußte ich den Bereich mittels eines glatten Messingbleches
abdecken. Für die Umlenkspindel der Bremsanlage wäre so kein Platz gewesen. So sieht es
auch ganz sauber aus. Das Bremsgestänge verschwindet so einfach unter dem Blech.
Dann ging es ans Fahrwerk. Von Novitex bestellte ich schon letztes Jahr irgendwann mal
eine Messingplatte mit Holzprofil. Ich nahm Maß und schnitt aus der Platte ein passendes
Stück für das Fahrgestell. Mittels Messingprofilen bildete ich dann die Seitenträger
und die Verstrebungen originalgetreu nach. Von Bavaria kamen hier die Federpakete mit
Kulissen und auch die Räder. Die Kupplungsfeder hatte ich so noch im Bestand . Das hört
sich jetzt alles so einfach an, war aber ein ganz schönes Stück Arbeit, da auf dem
bloßen Blech keinerlei Markierung oder Führungen vorhanden waren. Die Querverstrebungen
(H-Profile) mußte ich nach dem Löten nochmals korrigieren und neu verlöten, da sie
nicht ganz senkrecht zu den Seitenwangen saßen.
Die Bremsanlage alter Art stammt ebenfalls von Bavaria. Das Gestänge fertigte ich aus
vorhanden Drähten an. Die Arbeiten waren jetzt doch von gewohnter Art und gingen gut von
der (Löt-)Hand.
Was mir nun wiederum nicht gefiel, waren die Verstrebungen für die langen durchgehenden
Trittbretter der Seitenwände. Die Rai-Mo-Teile sahen klobig aus und paßten auch nicht
mehr zu dem Messingfahrgestell.
Hier half ich mir mit 0,7 mm- Draht. Ich machte in das zusammengesteckte Gehäuse/Fahrwerk
an der Naht entsprechende Löcher, wo ich nach der Lackierung mittels Stabilit die
nachgebildeten Verstrebungen einklebte.
Dann ging es an die Lackierung. Das Fahrgestell sandstrahlte ich in meiner selbst
gebastelten Kabine. Ebenso die Zinkteile. Nach der Grundierung wurde das Fahrgestell
schwarz und das Gehäuse weiß lackiert.
Das Dach machte ich in Umbra-grau von Bavaria. Dann kam der schönste Teil. Das
Fahrgestell wurde mit dem Gehäuse ver-klebt, genauso das Dach aufgeklebt. Nach Einsetzten
der Räder wurde das Bremsgestänge vollends montiert und nachlackiert. Dann wurden die
seitlichen Trittbretter angebracht. Die Bohrungen für die Puffer machte ich soweit auf,
daß ich die Puffer fest klemmend einstecken konnte, ohne Kleb verwenden zu müssen. Man
hat ja da so seine unangenehmen Erfahrungen und ist auch durchaus lernbereit.
Auf der Rückseite konnte ich die Kupplung gefedert einbauen. Hier war Platz. Vorne
mußte ich die Kupplung einkleben, da wegen des massiven Gußteils nichts ging. Die
Spindelverlängerung vom Bremserhaus zum Trittblech bildete ich mit 0,7 mm Draht nach und
lackierte sie schwarz nach. Die Treppen zum Bremserhaus nahm ich von Rai-Mo und klebte sie
ein.
Die Handläufe bildete ich vorne frei nach, nachdem am Gehäuse nichts vorgesehen war. Am
Schwierigsten waren die Handläufe auf der Rückseite. Nach einer Vorlage eines
Trix-Wagens bildete ich hier die geschwungenen Handläufe nach und montierte sie.
Nach einigen kleinen Nachlackierungen (Auftritte an der Rückwand in schwarz etc.) war der
Wagen nun fertig.
Für die Beschriftung entschied ich mich für die Originale von Rai-Mo. Ich find sie
detailliert genug. Außerdem wollte ich den gerade eingetroffenen Beschriftungsbogen vom
LBF noch nicht anpacken.
Letztendlich gefällt mir der Wagen recht gut. Es war zwar wieder einmal komplizierter wie
zuerst gedacht, aber er paßt so recht schön in meine Sammlung.

Signalgeschichte
der Länderbahnen: Die optischen Telegrafen
von Tobias Frydman, Utrecht
Ein wichtiges Fragestück im Sicherungsbereich von Zügen ist die Frage, wie die Zugfolge
zwischen Stationen und auf Strecken bewacht werden kann. In den frühen Jahren der
Eisenbahn gabe es einfache akustische und optische Signale, die das Stationspersonal an
die Zugführer Im Stationsbereich weitergeben konnte.
Zunächst dachte man, daß die Zugfolge im Streckenbereich ausschliesslich durch die
Fahrpläne gesteuert werden konnte. Alles wurde schriftlich festgelegt und der Lokführer
brauchte sich nur an diese Anweisungen zu halten. Natürlich darf nicht vergessen werden,
daß damals das Zugaufkommen sehr gering war, wodurch das Risiko sehr beschränkt war. Und
man ging auch davon aus, daß die Strecke immer in Ordnung war, also gefahrlos zu den
vorgegebenen Zeiten befahren werden konnte.
Hinzu kamem die Bahnwärter. Diese wurde entlang der jeweiligen Strecke in festen
Abständen pos-tiert. Sie wurden mit verschiedenen optischen Hilfsmitteln ausgerüstet.
Hierzu ein Vorbild aus England aus dem Jahre 1839: dort standen die Bahnwärter in
Abständen von 1.5 - 5 km und benutzten weisse Flagen beim herannahen des Zuges um an zu
geben, daß ihr Streckenabschnitt gefahrlos befahren werden konnte (bei Dunkelheit war es
weisses Ker-zenlicht). Bei Schwierigkeiten bedeutete eine rote Flagge bzw. rotes Licht
daß der Zug anhalten mußte, da es Schwierigkeiten gab.
Einen bedeutenden Einfluss auf die weitere Gestaltung des Signal-wesens der Eisenbahn
nahmen die optischen Telegraphen der französischen Brüder Chappe. Die optischen
Telegrafen übertrugen ihre Zeichen in Etappen, wodurch eine Sichtverbindung zwischen den
jeweiligen Telegrafen bestehen mußte. Rund 1870 war der durchnschnittliche Abstand
zwischen zwei Bahnübergängen
- in England 4000 Meter
- in Österreich 833 Meter
- in Deutschland 625 Meter
Durch die relativ vielen Bahnübergänge war die Einrich-tung von optischen Telegrafen in
Deutschland relativ einfach möglich. Im Jahr 1854 gab es in Deutschland bei sieben
Bahngesellschaften insgesamt 1730 optische Telegrafen.
Die Konstruktion dieser Telegrafen war anfangs noch recht vielseitig. Es gab
Konstruktionen von Brettern, Tafeln und ballons, welche an hölzernen Gestellen gehißt
wurden. Diese Konstruktionen waren aber sehr wettergefühlig und deshalb nicht langfristig
einsetzbar. Dennoch hielten sich vor allem die Korbsignale ziemlich lange. So findet man
in der Signalordnung der Großherzoglich Badischen Eisenbahn aus dem Jahre 1889 noch
Bestim-mungen über die Benutzung von Korbsignalen.
In Deutschland wurden aber bereits ab dem Jahre 1842 (Leipzig-Dresdner-Eisenbahn) andere
Varianten der optischen Telegrafen eingesetzt, welche über zwei längliche,
Schwenk-flügel verfügten. Der Verein der Deutschen Eisenbahn-Verwaltungen empfahl hierzu
im Jahre 1866: " von den Weichen abgesehen, werden bei feststehenden
Signalvorrichtungen die Flügelsignale vor allen übrigen empfohlen
"
Die Funktionsweise dieser Signale war denkbar einfach. Im Abgangsbahnhof wurde vor Abfahrt
des Zuges der rechte Flügel schräg nach oben bewegt. Der jeweils nächste Bahnwärter
folgte diesem Signal und stellte sein Signal entsprechend, soweit der ihm zugewiesene
Abschnitt frei war um befahren zu werden. Die Nachricht eilte auf diese Weise dem Zug
voraus, es wurde deshalb auch als "durchgehendes Signal" bezeichnet. Für jede
Flügelstellung der zweiflügligen Telegrafen mußten eindeutige Meldungen zugewiesen
werden, wobei allgemein üblich war:
- der Zug kommt von rechts;
- der Zug kommt von links;
- der Zug kommt auf falschem Gleis von rechts;
- der Zug kommt auf falschem Gleis von links;
- der Zug kommt nicht;
- eine Hilfsmaschine soll kommen von rechts;
- eine Hilfsmaschine soll kommen von links;
- die Hilfsmaschine soll zurückfahren.
Allerdings war die Festlegung der Zeichen, die für diese acht Begriffe verwendet wurden -
zumindest in Deutschland - völlig unheitlich. Im Jahr 1867 gab es nicht weniger als 166
verschiedene Formen. Es wurde auch die Sichtbarkeit im Dunkeln immer wichtiger.
Aber auch der Zug selbst wurde zum Signalträger, indem man an der Spitze oder am Schluß
des Zuges ein Zeichen anbrachte, die den Wärtern unterwegs bestimmte Informationen
mitteilte. Diese Verfahren wurde insbesondere bei ausserplanmässigen Einsätzen und
Sonderzügen eingesetzt. Hierzu wurden Hilfsmittel, wie Scheiben, Fahnen oder Lichter am
Zug eingesetzt:
- ein Extrazug folgt;
- ein Extrazug kommt in entgegengesetzter Richtung;
- der Zug fährt auf dem falschen Gleis;
- der Zug kehrt um;
- die Strecke ist zu revidieren.
Aber auch zu diesen Zugsignalen gab es weitere, unterschiedliche Signale, welche
ausschliesslich bei den jeweiligen Bahngesellschaft benutzt wurden.

Fragezeichen
Gab es die KPEV den überhaupt ?
Eine kritische Frage eines Lesers, der diese Frage an mich gerichtet hat, aber mangels
Unterlagen meinerseits möchte ich die Frage gerne Ihnen allen vorlegen mit der bitte um
Reaktion:
Sie nehmen es überall sehr genau,und Sie haben,wie Sie schreiben,oft in Archiven
Unterlagen und Primärliteratur eingesehen. Das habe ich auch einige Jahre lang zu den
Recherchen für ein Eisenbahn-buch. Dabei ist mir folgendes bewußt geworden:
Es hat nie eine "KPEV" gegeben. Und in den damaligen offiziellen
Unterlagen/Schriftstücken ,die ich
einsehen konnte,taucht der Begriff "Preußische Staatseisenbahn/Preußisch -
Hessische Staatseisenbahn/ KöniglichPreußische Staatseisenbahn auf,wohingegen die Presse
oder lokale Behörden oft von der KED bzw. ED (....) schrieben,wenn sie die Eisenbahn
meinten.
Sie mögen entweder den Kopf schütteln ("Unsinn,das steht doch an jeder Lok
dran!"),oder lapidar reagieren (Ja,das stimmt zwar irgendwie,aber der Begriff hat
sich ja soooo eingebürgert..."). Aber bei der Genauigkeit,wie Sie an die Dinge
herangehen,würde ich mir wünschen,wenn das auch einmal thematisiert werden würde.Und
zwar nicht in der Form einer "Diskussion" mit "Abstimmung",wie es die
Teilnehmer gerade hätten,sondern mit den bekannten Original - Bezeichnungen,die ja auch
Ihnen in den Archiven begegnet sein müßten.
Vielleicht können Sie mich in diesem Punkt ja belehren (man lernt immer noch dazu) und
mir mitteilen , WO Sie konkret in ORIGINAL-Unterlagen den Begriff "KPEV"
gefunden haben,von den Wappen abgesehen. Können Sie irgendeinen Briefkopf nachweisen,auf
dem sich die Preußische Staatseisenbahn "KPEV" genannt hat? Wenn ja,würde es
mich freuen,wenn Sie mir das kurz mitteilen könnten.
Wie gesagt,das ist nicht als Provokation gemeint,sondern als ernsthafte
Frage/Anregung.Viele Amateure benutzen diesen Ausdruck - leider auch manch Hersteller,
nehmen ihn also als "gegeben" hin,weil er so
"praktisch" ist, dennoch ist er wohl ganz falsch.Und bei der Ihnen beiwohnenden
Genauigkeit ist die Klärung dieser Frage sicher an der richtigen Adresse.
Herr Wolfgang Lenz hat die folgenden Fragen gestellt:
Bei mir ist derzeit ein Endbahnhof in Anlehnung an Neumark i.d.O. in Planung. Es werden
wohl 3 und ein halbes Module mit 1,2m x 0,6m an Platz beansprucht. Die Bahnhofseinfahrt
wird mit einem FREMO-Profil F96 angeschloßen. Jetzt taucht die Problematik des möglichst
vorbildnahen, aber nicht zu aufwendigen Gleisbaus auf.
Wie im LbF 4/97 & 1/98 dargestellt, ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Ich strebe
CODE60 mit RP25-Radsätzen an ( alles Rollmaterial hat RP25 ). Geplant wird mit dem
Pilz-Elite Gleissystem, schlanke Weichen wie EW3, ABW 6/6, DKW/EKW2 sowie Flexgleis. ->
Schwellenabstände und Profile müßten geändert werden !! Ein kurzes Gleisstück mit
variablen Schwellenabständen Pilz-Elite mit Shinohara CODE70 gibt einen 1. Eindruck.
Hierzu meine Fragen:
1.Hat jemand Erfahrung
a) hinsichtlich des optischen Unterschieds zu CODE 60 Profilen (Fa.
PECO Z-Gleis) und
b) zum Weichenumbau im LbF.
2. zu den notwendigen Schwellenabständen für K.Bay.Sts.B. um 1912 geht's bei den
Artikeln von Jacques Timmermans drunter und drüber - oder blicke ich nicht durch; Im LbF
4/97 Seite 23 steht 8.1 bis 10.3mm je nach Verwendung. Auf dem Foto im LbF 1/98 S.5 sehen
die Abstände (Schienenprofil X) gößrer aus. Auf Seite 9, vorletzter Abschnitt, heißt
es für das 9006mm Schienenprofil in H0 umgerechnet: Stoßschwelle 4.9mm, dann 1 x 5.4mm,
1 x 6.4mm, 10 x 7.5mm, 6.4, 5.4 und Stoßschwelle. Was ist denn nun richtig ?
Herr Wolfgang Uhl stellt folgende Frage:
Gab es bei den Königlich Bayerischen Staatsbahnen in der der Zeit um die Jahrhundertwende
Schwenkbühnen, wie sahen sie aus und kann jemand Literatur-und Bildhinweise geben ?
von Herrn Ralf Winkler stammt folgende Frage:
Warum hat man die Windschneidenführerhäuser abgeschafft? Hatte dies mit dem Blenden der
Zugführer zu tun, oder gab es hierfür andere Gründe ?
Bitte senden Sie Ihre Reaktion auf die beiden letzten Fragen an das LBF - Danke !

Alles
Modul - oder? Vom Diskussionsansatz zur Implementation
In den letzten Ausgaben des Forums und auf der interaktiven Chatadresse sind in den
letzten Monaten viele Ideen und Vorschläge zum Thema Modul andiskutiert
worden. Eines ist sicher: dieses Thema hat für viele unter uns eine große Bedeutung, den
wir wollen unsere Hobbyarbeiten nicht nur alleine im stillen Kämmerlein bewundern,
sondern mit anderen teilen und bestaunen lassen. Hinzu kommt, daß nicht jeder über die
räumlichen Möglichkeiten verfügt, um seine Wunschanlage auch nur ansatzweise
vorbildgerecht nachbauen zu können.
Nun sind inzwischen einige Ansätze andiskutiert worden wie ein entsprechendes
Länderbahnmodul aussehen müßte. Ich habe viele Zuschriften erhalten von
Modellbahnfreunden, die jetzt gerne den nächsten Schritt tun möchten und endlich an den
Arbeiten Ihrer Module beginnen wollen.
Hierzu muß aber dann erst eine verbindliche Modulnorm ( zumindest was das Profil der
Schnittstellen angeht) gewählt werden. In der bisherigen Diskussion ist auf jeden Fall
eines deutlich geworden: Keine neue, abweichende Norm definieren, sondern eine bestehende
Norm auswählen.
Ich möchte Ihnen deshalb heute drei Profile zur Wahl vorlegen. Eine dieser Normen soll
dann das neue LBF-Modulprofil werden. Die Wahl wird auf Basis von einer
einfachen Mehrheit (die meisten Stimmen) getroffen. Desweiteren werden Sie über die
Gleisnorm (NEM, Rp25 oder H0pur) und über mögliches Gleismaterial entscheiden müssen -
eine nicht einfache Wahl.
Bei den Modulprofilen stehen zur Wahl:
1. Fremo
Gleise
Es werden Gleise mit niedrigen Schienenprofilen bevorzugt, Fremo empfiehlt derzeit:
Pilz-Elite (Code83) oder Peco Streamline finescale (Code75), da auf diesen Gleisen sowohl
Radsätze nach NMRA RP-25 als auch nach NEM laufen. Zugelassen ist ebenfalls Code70 (nach
NMRA RP-15.1) obwohl darauf Radsätze nach NEM 310 nicht immer einwandfrei laufen.
Selbstbauweichen und Gleise sind ausdrücklich zugelassen, dort können auch noch
niedrigere Profile Verwendung finden, solange RP-25 Radsätze darauf laufen.
Mindestradien und Weichenwinkel
Der Mindestradius der Streckengleise beträgt 1000 mm. In Bahnhöfen sollte deutlich mehr
genommen werden.
Der Mindestradius der Rangiergleise beträgt 700mm, bei einem Mindestweichenwinkel von
1:6.
Diese Radien gelten auch für verdeckte Strecken !
Modulprofile: Fremo H0 F96
2. H0pur ®
Dieses Endprofil kann auch unabhängig von der Zupassung des H0pur® Gleisstandards
gewählt werden. Sollte dies der Fall sein, dann gelten die gleichen Gleiswahlvorgaben als
bei Fremo-Endmodulen.
3. Burmodule
Hierbei handelt es sich weinger um ein Standard-Endmodul als vielmehr um eine
Systemdefinition, welche die Kombination vielfältiger - gleichgroßer, bzw. eines
vielfachen des Basisrasters - Modulteile. Um eine möglichst große Vielfalt zu zulassen
sind zwischen den Modulen sogenannte Vermittlungsbausteine, auch black box
genannt, vorhanden, welche einen Übergang verschiedenster Module ermöglichen soll.
Dies könnte soweit gehen, daß unabhängig von der jeweiligen Gleislage an den beiden
anschliessenden Modulen mittels Flexgleis eine Verbindung hergestellt wird. Hierdurch
könnte auch unterschiedliches Gleismaterial (Code 100, 75, 83 etc.) mit einander
verbunden werden, wobei ein Übergangsstück in der Blackbox dies ermöglicht. Nur H0pur
® ist leider nicht drin. Dies liegt an den speziellen Gleisansprüchen die, zumindest im
Weichenbereich, nicht mit den Standard-Gleissystemen kompatibel sind. Aber wer dennoch
unbedingt H0pur ® Gleise haben möchte, könnte auf diese Weise mit anderen
Hopur®-Freunden ankuppeln. Man könnte selbst soweit gehen, daß man verabredet, daß im
vorderen Modulbereich - also das erste Gleis aus Sicht des Betrachters, soweit möglich
H0pur®-taugliches Gleismaterial verlegt. Dies kann dann ohne Weichen geschehen für die
Nicht-H0pur-isten, und die H0pur-en können das ganze Modulgleis entsprechend auslegen.
Sie haben jetzt die Qual der Wahl:
Für welches System wollen Sie sich entscheiden? Haben Sie genug Infor-mationen um eine
Wahl zu treffen? Als kurze Wahlhilfe:
1. Fremo ist wohl das am Weitesten verbreitete Modulsystem mit exakten Festlegungen und
Details und viel Anschlußmöglichkeiten auch außerhalb des LBF-Leserkreises.
2. Das H0pur® Endprofil ist eine interessante Alternative und bietet Anschluß an die
Hopur®-isten.
3. Die Bur-Module sind wohl die flexibelsten Module und bieten eine einfache, dennoch für
uns zieltreffende Übergangsmöglichkeit.
Bitte entscheiden Sie sich und geben Sie Ihre Wahl auf dem Antwortformular auf der
Rückseite an. Ihre Stimme zählt absolut mit!!!

Die preußische S 6
von Ralf Winkler
Die pr. S6 verdankt ihr Entstehen, unter anderem, einem 1902 vom Verein deutscher
Ingenieure ausgelobtem Preisausschreiben. Der Grund dieses Preisausschreibens waren die
vorgesehenen Schnellfahr-versuche der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen. Es wurde
eine Maschine gefordert, die einen Schnellzug mit 180 t Wagenzugmasse mit einer
Geschwindigkeit von 120 km/h in der Ebene befördern konnte.
1904 legte Robert Garbe dem Lokausschuß einen Entwurf für eine 2'B
h2-Schnellzuglokomotive vor.Dieser Entwurf war nach seinen Vorgaben von der
Maschinenbauanstalt Breslau ausgearbeitet worden.Um die Drehzahl niedrig zu halten und ein
ruhiges Arbeiten des Triebwerkes zu gewährleisten, hatte man den Durchmesser der Treib-
und Kuppelräder mit 2200 mm vorgesehen. Damit konnten auch die Drosselleistung und die
Triebwerksreibung niedrig gehalten werden. Der Lokomotivausschuß erlaubte jedoch nur 2100
mm Raddurchmesser, was gegenüber den sonst üblichen 1980 mm trotzdem eine erhebliche
Steiger-ung war (an anderer Stelle heißt es, Garbe selber wollte eine Reduktion des
Durchmessers um 100 mm).1905/1906 setzte Garbe dann den Bau der S 6 durch. Sie wurde von
1906 bis 1913 gebaut und zwar insgesamt 584 Stück.
Ihre Vorgängerin, die S 4, wurde parallel dazu noch bis 1909 gebaut (mehr zur S 4 später
an dieser Stelle). Zu Garbes Leidwesen wurde die S 4 von den 2B1 n4v (von Borries und de
Glehn - S 7) in vielen Punkten Leistungsmäßig übertroffen. Eine Skizze für eine
spätere Bauform der S 4 weist viele Eigenheiten der S 6 auf. Auf den ersten Blick kann
man beide Maschinen auch miteinander verwechseln, wobei man aber als
Unterscheidungsmerkmal die kegelförmige Rauchkammertür der S 6 benutzen kann. Doch
zurück zur S 6.
Die ersten S 6 wurden von den Linke-Hofmann-Werken 1906 gebaut. Sie hatten eine
Gesamtheizfläche von 136,89 m2, zum Vergleich, die S 4 hatte 104,7 m2. Bei den ersten
Maschinen hatte man noch einen Rauchkammerüberhitzer eingebaut. Doch noch 1906 begann man
damit, den Rauchrohr-Überhitzer der Bauart Schmidt zu verwenden. Dabei verkürzte man die
Rauchkammer von 1800 mm auf 1500 mm. Auch der Schornstein wurde versetzt, saß er vorher
noch in der Mitte, so wurde er nun auf das vordere drittel der Rauchkammer gesetzt.
Die Heiz- und Rauchrohre wiesen eine Länge von 4500 mm auf. Dadurch war der Kessel
natürlich lang und schwer. Um die Höchstgrenzen für den Achsdruck einhalten zu können,
wurde er weit nach vorne geschoben (siehe auch bei der S 4). Dadurch hatte sie das
typische Erscheinungsbild einer Garbe-Lok. Durch die großen Treibräder und den langen
Kessel ergab sich ein Gesamtachsstand von 8000 mm. Das vordere Laufdrehgestell hatte einen
Achsstand von 2200 mm ( bei 1000 mm Durchmesser der Laufräder, genau wie bei der S 4).
Die Seitenverschiebbarkeit des Drehgestells betrug ± 40 mm. Zwischen der letzten
Laufachse und der Treibachse war ein Abstand von 2800 mm. Der Abstand der Treib- zur
Kuppelachse betrug 3000 mm.
Der Rahmen wurde als Plattenrahmen ausgeführt, anfänglich mit 22 mm Plattenstärke
(um Gewicht zu sparen) mußte man dann jedoch wieder zu den üblichen 25 mm zurückkehren.
Um den zulässigen Achsdruck nicht zu überschreiten (die Kuppelachse hatte 17,33 t; 17 t
waren erlaubt), versuchte man auch an anderen Stellen Gewicht zu sparen. Jedoch erwies
sich bald, das die Treibstan-genlager, die Radsterne und Achslager zu schwach waren und
verstärkt werden mußten. Auch die Ge-gengewichte an der Treib- und Kuppelachse wurden
sehr klein gehalten. Dadurch waren die hin- und hergehenden Massen bei der S 6 nur zu 3
Prozent ausgeglichen. Das führte zu einem unruhigen Laufver-halten und Zuckungen. Diese
Zuckbewegungen übertrugen sich natürlich auch auf den Zug. Man schaffte Abhilfe, indem
man den Tender als Dämpfer mit einbezog. Dazu erhöhte man die Vorspannung der
Stoß-feder des Tenders auf das vierfache Gewicht. Diese Maßnahme hatte Erfolg.
Bis 1908/1909 verwendete man Flachschieber in den Zylindern. Ab diesem Zeitpunkt kamen
dann Naß-dampf-Ventilregler der Bauart Schmidt & Wagner zum Einsatz. Auch wurden bis
zu diesem Zeitpunkt Windschneiden-Führerhäuser verwendet, man hoffte damit den
Luftwiderstand zu verringern. Aus dem gleichen Grund verwendete man auch eine
kegelförmige Rauchkammertür. Ab 1908/1909 wurden dann jedoch Führerhäuser mit gerader
Stirnwand eingebaut. Eine der unangenehmen Nebenwirkungen der Windschneiden-Führerhäuser
war, daß das Lokpersonal nachts durch die schräg stehenden Fenster geblendet wurde.
Bei den Radkästen wurden sowohl geschlossene als auch durchbrochene eingebaut. Die S 6
war mit folgenden Tendern gekuppelt: 4 T 18 (III 5 e), 4 T 21,5 (III 5 h), 4 T 21,5 (III 5
l) und 4 T 31,5 (III 5 m). Zirka 1910 wurde sie mit gerader Führerhausstirnwand mit der
Musterblatt-Bezeichnung VIV 2 a in die Normalien aufgenommen.
Bei 100 km/h erreichte die S 6 ihre höchste indizierte Leistung mit 1160 PS (870 kW). In
der Ebene konnte sie einen Zug mit 13 vierachsigen D-Zug Wagen von je 38 t Masse
(entspricht 494 t Wagenzugmasse) mit einer Beharrungsgeschwindigkeit von 90 km/h
befördern. Bei Maschinen mit Speisewasser-Vorwärmer lag die Leistung ca. 10 Prozent
höher. Bei Versuchsfahrten erreichte sie sogar 110 km/h (mit 13 D-Zug Wagen). Die S 6
wurde vor allem auf Flachlandstrecken eingesetzt. Im Hügelland und bei
Mittelgebirgsstrecken bevorzugte man andere Maschinen (u.a. die P 8).
Von der S 6 wurden drei Maschinen versuchsweise mit Gleichstromzylindern Bauart Stumpf
gebaut. Da diese Bauform jedoch nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllte, wurden
die drei Maschinen später mit Zylindern der normalen Bauform ausgerüstet.
Die S 6 wurde ab 1912 von der S 10 aus dem schweren Schnellzugdienst verdrängt.
Bis auf die Direktion Berlin und Königsberg (an anderer Stelle wird auch Saarbrücken
genannt) wurden durch alle Eisenbahn-Direktionen S 6 beschafft. Es gab nur sehr wenige
Bestandsverschiebungen. 1913 gab die Direktion Erfurt Maschinen an die KED Altona, Coeln,
Kattowitz und Münster ab. 1914 gab die KED Elberfeld einige Maschinen an die KED Stettin
ab. Als der Schnellzugverkehr im ersten Weltkrieg zusammenbrach, wurden viele S 6
abgestellt.
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die S 6 sowohl im Schnellzugdienst (Leipzig - Dresden,
Berlin - Dresden u.a.) als auch im Personenzugdienst eingesetzt. Viele Maschinen wurden in
Dresden zusammengezogen.
Belgien, Polen und Italien haben S 6 als Reperationsleistunger erhalten. Die S 6 Altona
613 war ein Kriegsverlust. Im 2., vorläufigem, Umzeichnungsplan der DRG finden sich noch
442 Lokomotiven der Baureihe S 6. Im 3., endgültigen, Umzeichnungsplan werden nur noch
286 Maschinen aufgeführt, die als 13 1001 bis 13 1286 ausgewiesen wurden.
Ab 1926 begann dann die Ausmusterung bei der DRG. Waren es 1926 20 Maschinen, so wurden
1927 62 und 1928 35 Stück ausgemustert. Bis 1931 waren dann alle Maschinen der Baureihe S
6 bei der Reichsbahn ausgemustert. Ab 1939 kamen dann wieder einige Maschinen zur
Reichsbahn zurück, doch dazu mehr im folgenden Kapitel.
Die S 6 im Ausland
Belgien erhielt 42 Maschinen der Baureihe S 6 als Reperationsleistung. 39 dieser 42
Maschinen haben den zweiten Weltkrieg überstanden. Sie sind erst 1956 ausgemustert
worden. Sie wurden in Belgien im Schnell- und Personenzugdienst eingesetzt.
An die PKP wurden 81 Maschinen der Baureihe S 6 abgegeben. 1939 waren noch alle im Dienst.
56 Maschinen wurden als Beute"-Loks von der Deutschen Reichsbahn übernommen
und als 13 501 bis 13 556 eingereiht. Ein Teil ist 1945 wieder nach Polen zurückgekehrt
und wurde dort bis mitte der fünfziger Jahre eingesetzt. Eine Maschine ist der Nachwelt
erhalten geblieben, sie steht heute vor der Technischen Hochschule in Warschau.
Zwei Maschinen der S 6, die S 6 Altona 612 und Altona 667 gelangten nach Italien. Sie
wurden dort bei der FS mit den Betriebsnummern 553.001 und 553.002 eingesetzt.
Der Verbleib von 17 Maschinen der Baureihe S 6 ist ungeklärt, ob sie Kriegsverlust sind
oder aber vor der Umzeichnung schon ausgemustert wurden ist unklar.
Erstzuteilungen S 6
KED Altona 70 KED Elberfeld
23 KED Kattowitz
21
KED Breslau 44 KED Erfurt
17 KED Magdeburg
41
KED Bromberg 31 KED Essen
31 KED Mainz
9
KED Cassel 10 KED Frankfurt
5 KED Münster
45
KED Coeln 27 KED Halle
68 KED Posen
35
KED Danzig 21 KED Hannover
42 KED Stettin
44
Lieferfirmen 1906 1907 1908
1909 1910 1911
1912 1913 Gesamt
Henschel ---
49 28
36 37
23
---
---
173
Humboldt ---
---
--- 12
--- 47
2
20
81
LHW 28
31
69 56
3
79
34 30
330
Gesamt 28
80
97
104 40
149 36
50
584
|