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Sunday, 28. March 2004 |
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Länderbahn Forum 1/02
Inhaltsverzeichnis:
1.
Die Zugleine
2.
Zugbildung, hier
Zugleine
3.
Kommentar
4.
Die
Württembergische Güterzuglokomotive Klasse Fc 5.
Preußen
aufs Gleis gestellt - Teil1: der nordmainische Ocmlk[u]
6.
Der
bayerische Werkstattwagen in etwas anderer Ausführung
7.
Von Miesbach zum Schliersee
Teil2
Liebe
Länderbahnfreunde, Der
sechste Jahrgang beginnt mit einem Paukenschlag. Durch den neuen
Mitgliederwebsite stimuliert, habe ich in den letzten Wochen und Monaten eine
bisher nicht erreichte Fülle an Artikeln von Lesern des LBF erhalten. Zum
ersten Mal in der Geschichte des LBFs musste ich Artikel auswählen bzw.
weglassen, um das bisherige Format von 30 Seiten, welches durch postalische
Gewichtsgrenzen vorgegeben ist, nicht zu sprengen.
Der
zweite, mehr private, Paukenschlag ist mein bevorstehender Umzug zurück nach
Deutschland, genauer gesagt nach München. Anfang des Kalenderjahres 2002
wurde ich in eine neue Position berufen und habe mich nun mit dem
Geschaftsbereich Deutschland und Österreich zu beschäftigen. Dies bedeutet
zur Zeit, daß ich in der Regel am frühen Montagmorgen meine Wohnung in
Utrecht verlasse und diese (und meine kleinen Modellbahnschätze) erst wieder
zum Wochenende sehe. Viel Zeit für das Hobby bleibt da verständlicherweise
nicht. Ich hoffe aber bis zur Jahresmitte ein neues Domizil in München
gefunden zu haben und dann schau mer mal..... Umso
dankbarer bin ich über den Erfolg der Mitgliederseite des LBF auf dem
Internet. Im Gegensatz zur bestehenden Homepage ist hier der Zugang beschränkt
auf bezahlende Mitglieder. Diese bekommen die hier erscheinenden Artikel
bereits direkt nach Empgang zu sehen, inkl. Aller Fotos und anderer Grafiken.
Irgendwie scheint dieses Medium meine Leser zu stimulieren um sich vermehrt
als Autoren zu betätigen, ein Anliegen von mir seit dem Erscheinen des ersten
Länderbahn Forum. Herr Dr. Manolache greift diesen Wunsch auf und
konkretisiert ihn in dieser Ausgabe Ich
finde die Mischung in der heutigen Ausgabe des LBF besonders gelungen.
Nicht nur das Vorbild ist Thema eines Beitrages, sondern auch der Umbau
bzw. Bau von Wagen unterschiedlicher Länderbahnen. Bei den interessanten
Produkten werden diesmal Profile und Baukästen für den Modulbau vorgestellt.
Für uns Modulbauer sehr willkommene Produkte, die den Bau weiter
vereinfachen. Und
dann gibt es wieder einen neuen Doppelbausatz im exklusiven Vertrieb des Länderbahn
Forum, erneut aus der bewährten Werkstatt von Herrn Kebbel von Bavaria.
Dieses Mal sind es erneut Vorbilder die zunächst bei der bayerischen Ostbahn
eingestellt waren und später von der K.Bay.Sts.B. umgebaut ebenfalls benutzt
wurden. Daß zu so einem Bausatz auch ein Lötworkshop gehört spricht für
sich selbst. Alles nähere hierzu aber auf der nächsten Seite. Die
nächste Ausgabe des LBF wird wohl noch in den Niederlanden hergestellt
werden, der Versand kann aber wahrscheinlich schon in Deutschland erfolgen.
Sie werden es ja sehen. Neuer
Doppelbausatz Der
neue exklusive Doppelwagenbausatz des LBF kann ab sofort vorbestellt werden.
In vertrauter Zusammen- arbeit mit der Firma Bavaria wir im Mai 2002 der
folgen- de Exklusiv-Doppel- bausatz des LBF in bekannter Qualität verfügbar
sein: offene
Giebelwandwagen der K.Bay.Sts.B. Serie O.m. (1 x
ungebremst, 1 x gebremst) in folgender Ausführung: Set
LBF 3.2 Ausführung
K.Bay.Sts.B., mit Eisenbrems backen, Hülsenpuffer, Beschriftung K.Bay.Sts. B.
1893 Vorbestellpreis
pro Set (exkl. Versand) 100
Euro Lieferung
erfolgt nur auf Basis von Vorbestellung , welche bis zum 15.04.2002 bei mir
eingehen sollte, wobei die Produktion nur bei ausreichendem Bestelleingang
erfolgen wird. Der Doppelbausatz ist exklusiv nur über
das Länderbahn Forum erhältlich und wird auch beim nächsten Lötworkshop
verwendet!!!! Fertigmodelle werden von der Firma Bavaria vertrieben
Der Bay.
Werkstattwagen in etwas anderer Ausfuehrung von
Bernd Höschele Vor einigen Jahren besuchte ich in Sinsheim
die Spielwarenmesse. Am Stand von der Fam. Kebbel schaute ich natuerlich nach
Bavariabausaetzen, die ich noch nicht hatte. Vom Weihnachtsgeld
und den sonst hin und wieder zur Verfuegung stehenden Barmitteln hatte
ich mir etwas zur Seite getan und war so in der gluecklichen Lage, nicht nur
schauen zu duerfen, sondern auch tatsaechlich etwas mit nach Hause bringen zu
koennen. Unter der Auswahl an Bausaetzen gab es auch
einen Werkstattwagen, den Frau Kebbel aus dem Unter- schrank zauberte. Der
Bausatz sei leider nicht ganz vollstaendig, da Messingprofilteile des
Fahrgestells fehlen wuerden. Das sah ich nun nicht als besonders schlimm
an, zumal der Bausatz dafuer fuer ein paar Mark damals gab es noch keine
Euro- billiger war, als sonst in der Liste stand. Ausserdem war der Bausatz
laut Katalog eigentlich gar nicht vorraetig, da war ich doppelt froh,
ueberhaupt noch einen bekommen zu koennen. Der Bausatz schlummerte dann in der Kiste
einige Zeit vor sich hin. Ich finde es in den vielen Jahren der Bastelei doch
merkwuerdig, dass trotz aller Erfahrung und Uebung sich die Dinger nicht
endlich mal von alleine zusammenbauen. So wird der Stapel doch immer nur
groesser. Also fasste ich mir letzten Winter mal ein
Herz, und fing eine Serie von Wagen an. Die vier Saeuretopfwagen von meinem
letzten Bericht waren auch dabei. Ein weiterer war der Werkstattwagen. Ich hatte schon wieder vergessen, dass der
Wagen nicht vollstaendig war, aber es viel gleich auf. Wo nichts ist, kannste
auch nicht loeten. Also ging es erst einmal an die Materialvorraete. Es
mussten die Laengstraeger abgelaengt werden. Wenn ich es noch richtig weiss,
fehlten auch noch ein paar Querprofile. Das war aber alles nicht ganz so wild,
obwohl ich damals noch keine Minitischkreissaege hatte. Nach der ersten Huerde ging es mal an die
eigentlich Arbeit. Wer die Bauanleitung kennt, weiss auch, dass das
Fahrgestell 3 von 5 Seiten Skizzenblaetter einnimmt. Eigentlich sollte man
solche Wagen nachher auf Spiegel stellen, damit man die Hauptarbeit nachher
auch betrachten kann. Ich muss zugeben, dass ich bei dem Bausatz
das Fahrgestell nicht auswendig zusammen bekam! Zuerst galt es, die Bodenplatte in gewohnter
Manier zu loeten. Das machte noch keine grossen Schwierig- keiten. Die selbst
abgelaengten Profile mussten noch hie und da angepasst werden, aber die Arbeit
ging gut voran. Als naechster Schritt kamen dann schon wagenspezifische Teile.
Die kleinen Achsen mussten angeloetet werden, der Wagenkasten ebenso und am
hinteren Ende der Gaskessel. Der war recht lustig anzuloeten. Das Gussteil
kann ganz schoen Hitze aufnehmen! Da braucht es einige Zeit, bis alles so warm
ist, dass das Lot auch verschmelzen kann. Der Wagenkasten ist an sich nicht schwer,
nur gehoeren dazu zwei Befestigungsbaender. Da zeigt es sich schnell, ob die
Quertraeger im richtigen Abstand geloetet wurden, da die Baender auf jeweils
einem Traeger anfangen und nach dem Wagenkasten auch wieder an einem enden. An den Laengstraegern wurden noch die
Auftritte angebracht. Nachdem die Laengstraeger selbst zugeschnitten waren,
wurden die Treppenauftritte eingemessen. Anschliessend wurden die Loecher
gebohrt, um die Trittbretthalter einloeten zu koennen.
Ich machte zwar alles nach Skizze, hatte aber nachher mit dem
Wagenkasten Schwierigkeiten, da die Wagenkastenprofile an den Ueberstaenden
mit den Treppen in Beruehrung kamen. Ich verglich spaeter mit einem fertigen
Wagen meines Freundes Juergen. Da war der Aufbau ein wenig anders geaetzt. Ich
bekam es aber bei meinem Wagen so hin, dass nachher alles gut aussah und
soweit passte. Die Mittelachse loetete ich fest auf. Einerseits hatte ich
keine Federn fuer die verschiebbare und gefederte Mit tel- achse und auf der
anderen Seite moechte ich den Wagen sowieso nicht auf der Anlage laufen
lassen. Nur haette ich dann auch die mittlere
Kulisse weglassen koennen, dann haette ich es nachher mit der Inneneinrichtung
leichter gehabt. Man lernt halt nie aus. Ansonsten war dann Seite 2 der
Skizzenblaetter auch abgehakt. Die Westinghousebremsanlage mit den vielen
Leitungen und Kesseln und kleinen Verbindungsstuecken ist von sich aus schon
recht aufwendig. Man benoetigt erst einmal eine ganze Weile, bis man alle
dazugehoerenden Teile sortiert hat. Dann verstand ich zwar den Aufbau und die
Skizze, am Modell war es dann aber nochmals anders. Irgendwie sollte man
manchmal einen Loetkolben haben, der auch noch um Ecken herum loeten kann. Das
Ding war echt aufwendig. Die Bremsanlage bestand aus den geaetzten Teilen. Es
gibt sie ja auch mit Gussteilen, die ich prinzipiell vorziehe. Die geaetzte
Bremsanlage war dann auch nicht so einfach anzubringen. Gerade die
Dreiecksgestaenge sind durch ihre eckige Form der Stangen in den Lagern schwer
gaengig zu machen. Es klappte dann aber doch. Die Radsaetze waren schon aufgezogen, wenn
ich es noch recht in Erinnerung habe. Oder ich habe es selbst gemacht. Das
weiss ich nicht mehr. Ist auch egal, Hauptsache war, dass sie nicht eierten,
das sieht bei drei Achsen sonst unmoeglich aus. Nachdem mal alles angepasst war, ging
es an den Aufbau. Hier wollte ich nun etwas Besonderes machen. Am Anfang stand der Wagenkasten. Hier sollte
man darauf achten, dass der Wagenkasten nachher ohne weitere Korrektur schon
ein gleichmaessiges Rechteck in der Draufsicht bildet, sonst sieht nachher
alles doch schief aus. Anschliessend brachte ich die ganzen Profile an. Man
sollte nicht zuviel Loetzinn verwenden, sonst laufen die ganzen Anaetzungen
voll und sind nachher muehsam wieder frei zu kratzen. Dumm ist es, wenn ein
Profil mal nicht parallel zu den anderen kommt. Das Teil wieder abzuloeten
oder soviel Hitze darauf zu lassen, bis man es wieder verschieben kann, ist
recht muehsam. Es war eine aergerliche Prozedur!! Der Wagenkasten an sich und auch die
Schiebetueren- waren nun keine all zu grosse Schwierigkeit. Nur hatte ich vor,
den Wagen auch innen etwas auszustatten. Deshalb wollte ich das Dach abnehmbar
machen. Also bereitete ich das Bremserhaus extra vor und loetete das kleine
Gehaeuse mal so zusammen. Anschlies- send legte ich das vorgebogene Dach auf
den Wagenkasten und klemmte es mit dem Bremserhaus erst mal ein wenig fest.
Anschliessend punktete ich das Bremserhaus mit ein oder zwei Loetpunkten am
Gehaeuse fest, um es so zu fixieren. Nachdem das Dach wieder abgezogen war,
verloetete ich das Bremserhaus nun endgueltig. Auf den Wagenboden setzte ich nun das
Gehaeuse auf, um die Passung zu kontrollieren. Hier gab es dann die
Ueberraschung, dass die Nietenprofile an den Treppen der Aufstiege anstiessen.
Also musste ich die Trep- penboeden entsprechend anpassen und teilweise
abschleifen. Als dann alles passte, konnte ich die Holz- imitation unter dem
Bremserhaus auf den Wagenboden anloeten. Das musste schon genau eingemessen
sein, sonst sitzt der Wagenkasten nachher eckig! Die Treppenaufstiege liess ich wegen der
geplanten schwarzen Lackierung erst einmal weg und klebte sie nachher in der
Endmontage an. Zur Vorbereitung konnte ich bei Kollegen das
Ultraschallreinigungsbad benuetzen. Danach ging alles in die Strahlbox. Das
Gehaeuse ging ja noch, das war recht bequem zu reinigen. Aber der Unterboden
hatte es in sich. Mit den vielen kleinen Teilen und Ecken und Winkeln war mit
dem Sandstrahlgeraet (das guenstige Teil von Bagder) nicht alles an
Loetrueckstaenden weg zu bekommen. Also arbeitete ich mit Zahnstocher nach und
entfernte so Pastenrueckstaende. Anschliessend ging das Teil dann nochmals in
die Strahlbox, bis alles sauber war. Das kostete doch recht viel Zeit. Danach
konnte ich alles grundieren. Das war nicht besonders schwer. Ich hatte nur
darauf zu achten, dass die Grundierung nicht zu dickfluessig wurde, dann neigt
sie zur Koernerbildung, was sich nicht ohne weiteres wieder beseitigen laesst
(ausser Azeton, das nimmt alles und bedeutet die doppelte Arbeit). Farblich gestaltete ich das Fahrgestell in
Schwarz. Das Dach wurde Umbragrau, ebenso das Bremserhaus- dach. Zuletzt wurde
das Gruen verwendet. Hier deckte ich die inneren Seiten sauber ab, um die
Grundierung als Innenlackierung verwenden zu koennen. Ebenso wurde das Dach
des Bremserhauses abgeklebt. Ich wartete da aber einige Tage, um das Grau
vollstaendig austrocknen zu lassen. Die Lackierung klappte wirklich gut. Ich
war sehr zufrieden. Es ging nun
fast schon an die Endmontage. Ich brachte noch die Beschriftung an, um danach
nochmals alles mit Klarlack zu ueberspritzen. So haben die Schiebebilder
optimalen Halt. Ach ja, eines vergass ich noch. Die vielen
kleinen Fensterrahmen, die machte ich zuvor noch alle braun. Das war eine
Arbeit fuer ruhige Haende. Ich nahm hierzu aber Revellfarben, die zerfliessen
mit geschickter Ver- duennung sauber und lassen sich exakt aufbringen. Nachdem die farblichen Arbeiten
abgeschlossen waren, klebte ich noch die Fenster ein und brachte die
Schiebetueren an. Dann klebte ich die Puffer und die Treppenaufstiege zum
Bremserhaus an, um abschlies- send noch die Kupplungen zu montieren, die ich
vorher gebeizt hatte. Die Handlaeufe bog ich mit Messing- draht zurecht und
brachte sie an. Das dauerte auch seine Zeit, die Teile spiegelverkehrt sauber
hin zu bekom- men. So, eigentlich waere der Wagen so jetzt
fertig gewesen. Aber jetzt folgte noch das absolute Finish. Von meinem Freund
bekam ich ein paar uebrige Gussteile von verschiedenen Werkbankausfuehrungen.
Dann verdiente die Fa. Weinert an mir auch noch eine schoene Stange Geld. Ich
investierte so rund 50 DM (heute waeren das so ca. 25 ), um diverse Teile
zu erstehen. Einmal waren das verschiedene Geraetschaften wie Besen, Schaufel,
Rechen, Spaten und Pickel etc. Dann gab es noch eine Gleissaege, einen
Wagenheber, Schubkarren, Spurlehre, Abzieher und solche Dinge. Einige
Bremsschuhe gab es auch noch. Zu guter letzt kaufte ich dann noch einen
Schweissapparat. Auf den Werkbaenken und Schraenken waren viele Werk- zeuge,
Kannen und dgl. schon angegossen. Das hat dann doch noch einige Abende
gekostet, bis alles zusammengebaut und von Hand fein lackiert war! In der Bauanleitung sind auch ein paar Fotos
der Inneneinrichtung enthalten. An denen orientierte ich mich, um den
Charakter des Wagens rueber zu bekommen. An der Innenwand haengte ich auch
einige Bremsschuhe auf und verteilte das Werkzeug und die Werkbaenke im
Innenraum. Die Fuesse der Baenke gestaltete ich aus Streichhoelzern nach. Das
sieht recht gut aus. Den Wagenboden hatte ich natuerlich vorher mit den
Holzboh- len von Bavaria ausgelegt und grau eingefaerbt.
Ich denke, aus den beigefuegten Bildern kann man einiges entnehmen. Zwei Arbeiter im Wageninnern
gestalten die ganze Sache noch recht lebendig. Sie diskutieren wohl ueber
etwas Dienstliches. Aussen steht noch ein Beamter des Bahnpersonals auf
dem Auftritt zum Bremserhaus. Ich weiss nicht wie es auf den Bildern jetzt
herauskommt, aber der kritische Betrachter hat auf jeden Fall Recht. Der
Beamte ist falsch am Platz. Er hat sich wohl in der Epoche geirrt und wird
demnaechst durch einen bayrischen Beamten ersetzt. Da muss ich einen Satz
Figuren nachkaufen, die sind mir leider ausgegangen. Abschliessend kann ich in der
Nachbetrachtung des Wagens sagen, dass er riesigen Spass gemacht, aber auch
eine Unmenge an Zeit gekostet hat. Er ist jetzt aber auch eine tolle
Bereicherung meiner Sammlung. So, das war es fuer dieses Mal. Herzliche
Gruesse aus dem Bastleralltag, Bernd Hoeschele Von
Miesbach zum Schliersee Teil2
Von Oliver Leisner
Die
Umsetzung vom Vorbild ins Modell Das
Bild oben zeigt den Bahnhof Miesbach im Jahre 1892. Die ehemalige Lokremise
wurde nach einer Hochwasserübertretung der Schlierach stark beschädigt und
mußte daher saniert werden.
Im
nächsten Beitrag wird der zweite Teil der Geschichte von Miesbach und die
Umsetzung ins Modell mit Bau der Ladehalle dargestellt. KURZ BELICHTET
1.
Lackierworkshop des LBFs in Karlsruhe Am
vergangenen Wochenende fand der 1. Lackierwokshop im Rahmen des Länderbahnforums
statt. Im kleinen Kreis konnte den interessierten Teilnehmern die
Grundtechniken der Spritzlackierung sowie die dafür notwendigen Vorbereitung
der Oberflächen vermittelt werden. Durch die im Vergleich zum Löten erhöhten
Anforderungen an Arbeitsplatz und Infrastruktur war die kleine Teilnehmerzahl
von Vorteil. Anschaulich konnte den Teilnehmer gezeigt werden, wie die Böhler-Sandstrahlkabine
funktioniert, wie bei ungenügend präparierter Oberfläche die mühsam
aufgebrachte Farbe mit dem Abdeckband wieder abgezogen werden konnte, wie man
mit einfachen Mitteln die aufgedruckte Beschriftung von Industriemodellen
entfernt oder aber auch wie man mit geringen Aufwand die Spritzpistole
reinigt. Beeindruckend auch, was man im Vereinsheim des SV Albgrün unter
einer kleinen Portion Tellerschnitzel versteht - da hatte mancher so seine
Probleme. So konnte jeder der Teilnehmer etwas mit nach Hause nehmen -
Anregungen, Tips, Motivation, mancher auch die immer noch unlackierten
Modelle, die er sich zu Lackieren vorgenommen hatte. Herzlichen Dank noch
einmal an Wolfgang Ehrlich, der uns die Räumlichkeiten und Infrastruktur zur
Verfügung gestellt hat. Bis zum nächsten mal! W.
Hug Achtung,
die Firma Micro-Metakit bitten um Ihre Mithilfe! Mehrere Lokomotiven
verschwunden!
Geschichte
einer vergessenen Sicherheitsvorrichtung von
Rainer Spohr Die
ZUGLEINE ( Zl ) verbindet die Dampflokpfeife mit dem Packwagen, so daß der Zugführer
( Zf ) jederzeit dem Lokführer die vorgeschriebenen Signale übermitteln
kann. Dies trifft zu für die GÜTERZÜGE. Bei Personenzügen wurde die Zugleine
von der Lokpfeife über den Tender zum Personenpackwagen gelenkt, und ebenfalls
in die Zugführerkanzel gespannt.
In der frühen Zeit der Länderbahnen war die Zugleine noch nicht an der Dampflokpfeife befestigt, sondern an einer auf dem Tender angebrachten Glocke. Am
Beispiel eines Güterzuges soll das Thema Zugleine per Skizze dargestellt
werden; danach an einem Personenzug, und schließlich an einem gemischten
zug, wie die Güterzüge mit Personenbeförderung zur Länderbahnzeit genannt
wurden. Es bedeuten: (Zl)=Zugleine, G=Güter- wagen, Br=Bremser, Zf= Zugführer,
PM=Packmeister, LS=Ladeschaffner, S=Stange für Z1-Halterung auf Tender,
Zss=Zug- schlußsignale zur Länderbahnzeit: rot-weiße Rundscheibe + zwei
eckige r-w Scheiben über X-Anzahl bedeutet je nach Verkehrsaufkommen die
entsprechende Anzahl an Güterwagen. (Aus zeichn. Platzmangel das Symbol ). Die
Zugleine wurde über den Tender an der Stange S geführt, und zwar so
hoch, daß sie jederzeit über den höchsten Kohlenberg stand, da sonst die
Leine verklemmt würde. Zudem mußte sie im Pw einigermaßen gespannt werden (
per
Haspel), damit die Pfeife jederzeit ausgelöst werden konnte, ohne lange Zeit zu
vergeuden, sie einzuholen. Achtung!
Diese Zugleine für die Dampflokpfeife ist nicht zu verwechseln
mit den
Leinen der HEBERLEINBREMSE!
Die Schneckenöse auf der Haltestange am Tender sah so wie in der folgenden
Skizze aus:
von
Rainer Spohr
"....hinten
im Zuge ( gemeint: Personenwagen in gemischten Zügen, Anm.d. Verfassers) machen
sie Schwierigkeiten bei Verbindung der Zugleine mit der Lokomotive... Zitiert
aus DIE ZUSAMMEN- STELLUNG DER ZÜGE in Brosius & Koch, 1898. Besprochen
wird das Für und Wider an welcher Stelle im gem. Zug die Personenwagen zu
stehen haben. Denn der Zf muß jeder Zeit per Zugleine die Dampfpfeife auf der
Lok fernbedienen können. Stehen
die Personenwagen hinter der Lok, Ist es einfach, da der Packwagen mit dent Zf
direkt hinter der Lok steht. Wenn aber die Güterwagen direkt hinter der Lok
stehen und dann erst die Personenwagen kommen, muß die Zugleine sich entlang
der Güterwagen bis zur Lok gespannt werden. Dazu sagen Brosius&Koch :
...Das Fahrpersonal Ist anzu halten, daß es die Zugleinegenügend anzieht
und aufrollt;... ist...vorgeschrieben, daß die Zugleine vor der Abfahrt des
Zuges vom letzten lagen aus angezogen wird, um durch Ertönen der Dampfpfeife
die Gangbarkeit der Zugleine festzu stellen. . .(ebenda, Kapitel
LOKOMOTIVFAHRDIENST, Zugleine). Im
LOKOMOTIVFÜHRER KATECHISMUS von Tesch&Holzbecher, 1886, steht im Kapitel
Fahrdienstvorschriften die Frage 173 + 174 : Was hat das
Zugbegleitpersonal bei Ubernahme des Zuges zu beachten?/ Wofür Ist der
Lokomotivführer verantwortlich? Unter anderem: ...die Zugsignale
angebracht sind (173), und ...für Verbindung der..angebrachten Zugleine
mit der Dampfpfeife. .. (174). Quellen als Zeichnungen und Fotos sind rar.
Wer von den Lesern Angaben machen kann, möge diese bitte an die Redaktion des
LBF senden. Danke. Im
Organ für die Fortschritte d.Ebw, 1910, wird. der Tender mit 21 5 cbm Wasser
zur 2C-Vierzylinder-Heißdampflok der preuß.-hess. StsBahnen vorgestellt, an
dem man auf der re. Seite die Haltestange für die Zugleine deutlich sehen kann.
Ein
Foto des 3
T
pr12 zeigt ebenfalls die Zugleinenhaltestange (S.19 in
modellbahnrevue1969(?) ).Th SCHULE DES
LOKOMOTIVFÜHRERS
von Brosius&Koch, 1898, S.308 Der Tender steht : ...Die Stange
S dient zur
Unterstützung der Zugleine Die Zeichnungen sind auf S. 313 und Tafel II (
T
20, 4achsig, sowie 3T12
Fig.1-4.).
Fotografisch
recht gut zu sehen ist die Zugleine auf der Lok 185 der Hann. Staatsbahn von
1867 in Helmholtz/Staby, Die Entwicklung der Lokomotive 1835 1880, S.109,
Abb.115. Ebenda, S. 124, Abb. 138, eine bayr. Ostbahnlok, am Tender der
Zugleinenstab (Foto). Ebenda, S. 148, Abb.171, Lok Roon am Zug, Zugleine hängt
vom Pw gen Tender. Ebenda, S. 172, Abb. 210 (Foto). Ebenda, S. 175, Abb. 218
Seeve der Berlin-Hamburger Bahn, Leine hängt von Lok bis Tender an zwei
(!) Zugleinenstangen (Foto). Ebenda, S. 188, Abb. 234 Göttingen, bayr. B
IX, zeigt am Tenderende nicht nur eine Signallampe, sondern drei (!)
Zugleinenhalter (im Marggraff Buch ( gleiches Foto-!-sind die Zugleinenstangen
wegretouschiert(!), ~während die Skizze auf S. 228 sie zeigt. Vergleiche auch
S. 233, Foto und Skizze der bay B XI 1304,
u. S. 239, Foto der C III KREUZBERG !). Noch
im Jahre 1991 hat der Verfasser dieser Zeilen eine solche Zugleinenstange (S) an
einem sächsischen Pw in der NThe von Löbau/Sachsen gesehen. Sie diente dazu,
die Zi zu halten, falls die Führerkanzel des Pw von der Lok abge wendet stand;
die Zl mußte ja dann auf dem (langen) Dach geführt werden, andernfalls wäre
sie verrutscht und hätte sich verhackt/verklemmt (zB an den Signalhaltern). Nun
zu den Personen- und Schnellzügen. Bekannt ist der frühe Versuch, die Zi bis
zum letzten Wagen zu führen, damit auch die Bremser die Möglichkeit hatten,
bei Gefahr Signale zu geben. Später hat man wohl diese Zugleine an den Seitenwänden
oberhalb der Fenster/Türen geführt, quasi als eine Art Vorläufer der
Notbremsanlage. Fotos sind dem Verf. nicht
bekannt. Lediglich bei Oberoderwitz lag ein sächs.. Wagen- kasten neben der Bahnanlage; der hatte zwei solcher
Zl-Schnecken stangen (kurz!) je Wagenseite; davon existiert ein Foto. Diejenigen
unter den LBF-Fans, die ihre Züge auf Schaustücken., Modulen oder Vitrinen
stehen haben, und schon alles superdetailliert haben, sollten einen Blick auf
Lok-Tender-Pw werfen: ist auch die ZUGLEINE vorhanden??? Wer
aber wie der Verfasser seine Züge gerne fahren lässt, der muß nicht auf die
Zl im Modell verzichten! Bewährt hat sich die sog. Pseudooberleitung von Arnold
(aus Gummi). Sehr flexibel. Wer die nicht mehr kaufen kann, sichert sich dünnes
Rundgummi aus seinen Herrensocken...... Viel
Freude an Ihrer Länderbahn wünscht R. Spohr. Bitte daran denken: haben Sie
Tipps, Infos, Zeichnungen? Bitte ans LBF senden, danke!!! ãR.
Spohr 2001 KOMMENTAR
Von
Dr. Costin Manolache Liebe Länderbahngemeinde, Ein neues Jahr hat sich angekündigt, natürlich hat (fast) jeder dies auch mit den entsprechend positiven Vorsätzen begonnen (hoffentlich). Zum einen ist es schön, daßes das LBF gibt und noch geben wird. Die Zeitschrift braucht aber viele Mitwirkende um lebendig bleiben zu können. Wir brauchen auch den Mut der stillen Bastlergemeinde das eigene (bestimmt) schöne Werk (endlich doch) zu veröffentlichen. Beiträge im LBF zeigen wie vielschichtig Interessen sein können. Hierbei schlägt man natürlich einen Spagat zwischen Purismus mit viel Selbstbau und Großserienmodellen. Ein Großserienmodell kann reizvoll sein, wenn es entsprechend verbessert wird. Ein Modell geht seelisch nicht mit dem Sammeln in den eigenen Besitz über, sondern durch die eigenen kreativen Veränderungen, die man daran vollzogen hat um einer gestellten Thematik/Epoche authentisch zu entsprechen. Das Schöne daran, jeder kann entscheiden wie weit man gehen möchte, Individualität ist einer der Reize des Hobbys. Nicht vergessen: durch Kommunikation vieler kann Schönes vertieft und Neues erschaffen werden! Wir alle kennen die gut gestaltete Miba Reihe Zugbildung-Reisezüge (in den Epochen II und III bereits erschienen). Das Nichterscheinen eines Bandes für die Epoche I hat der bisherige Autor Michael Meinhold in der Miba 11/2001 damit begrundet es sind schlicht und einfach nicht mehr genügend Dokumente erhalten um diesen Bereich aussagekräftig darzustellen. Nun, streng mathematisch-spsychologisch betrachtet, gibt es der Möglichkeiten zwei: 1) sich damit abzufinden (und ewig dem hinterher trauern und meckern) oder 2) etwas dafür tun, daß solch ein Buch für alle LBF-Freunde doch (noch) zustande kommt. Ein jeder hat für seine Epoche/Thema sicherlich Vorbildinformationen. Würden all diese Infor-mationen ähnlich einem Puzzle zusammengetragen werden, müssten wir schon aussagekräftige Dokumente zusammenstellen können. So könnte z.B. Herr Spohr die Preußen mit seinen detaillierten Kenntnissen repräsentieren, Herr Hug die Baden und Württemberger, Bayern gibs eh (im Modell) zuhauf. Es gibt für die Epoche I begnadete Bastler, die genügend Lokomotiven, Güter- und Personenwagen gebaut haben. (im LBF erschienen?), daß diese Fahrzeuge/Züge auch im Modell attraktiv nachgestaltet werden können. Lassen Sie uns laut träumen. 1912- der Oostende-Wien-Express wird von einer preußischen S6 (GFN, Trix, Bachmann-Liliput) gen Süd-Osten gezogen. Auf seinem Weg wird er in Köln den D-Zug Berlin-Paris (Roco S 10, Fahrzeuge Trix, GFN), den Orient-Express (in Salzburg) und in Nürnberg den Paris-Karlsbad-Express kreuzen (Hugsche bad Ivh, bay. S3/6 Roco, ähnliches Wagenmaterial). Was noch an (bunten) Anschlusszügen (D-Zügen mit Kurswagen-Württemberger, baden, Bayern oder einfache Pendler) noch nachgestalten werden kann ist offensichtlich. Ähnlich verhielte es sich mit Güterzügen.....Bitte jetzt die Augen wieder aufmachen. Wir sollten nicht auf Wunder warten, wenn man auch mit einiger Mitarbeit zusammen solch ein schönes Thema wider Erwarten abdecken könnte. Freilich müsste sich jeder einen Ruck geben seine verborgenen (Informations-)Schätze zu entstauben und zur Verfügung stellen. Was mitunter in einigen Heimen an Quellen unerschlossen brach liegt ist kaum vorstellbar. Ohne Kommunikation untereinander wird man es in der Epcohe I, im Zeitalter von TGV und ICE, sehr schwer haben Authentizität glaubwürdig im Modell nachgestaltet zu können. Anregungen zu diesem ehrgeizigen Ziel würden bestimmt viele Leser interssieren. Das LBF und Herr Frydman werden als Schaltstelle dabei fungieren. Warten wir nicht auf Wunder, packen wirs selbst an! In diesem Sinne viel Erfolg für das schönste Hobby auch in 2002! 1) bei genügender Anfragen würde die Firma Preußen-Modelle (s. Auch LBF 3/2001- interessante Länderbahnprodukte) einwn Bausatz der Lenz-Kleinbahnlok, Typ c, (Vulcan) Bn2t auflegen wollen. Liebhaber von preußischen Kleinbahnen von der Memel bis zur Weser bitte bei der Redaktion melden. Brauchbare Fotos und Bauzeichnungen wären sehr willkommen. 2) Für Freunde preußischer (Modell)Eisenbahnen gibt es von: Uwe Nussbaum, Nicolai Verlagsbuchhandlung Berlin oder direkt beim Deutschen Verkehrs- und Technikmuseum Berlin das Buch: Eisenbahnmodelle Schätze aus dem Verkehrs- und Baumuseum ISBN 3-87584-694-X Vorbildinformationen und zahlreiche Modellfotos und skizzen der Exponate bereichern den Fundus für preußische (Modell)Bahnliebhaber. Oder live: Berlin (sein Verkehrs- und Technikmuseum) sind immer eine Reise Wert! Für weitere
Fragen, Anregungen, Austausch von ideen stehe ich selbstredend gern zur Verfügung. Mit
freundlichen Grüßen, Dr. C. Manolache
Preußen
auf's Gleis gestellt - Teil 1: der nordmainische Ocmlk[u] von
Dr. Costin Manolache
O
: offener Güterwagen mit mittelhohen Wänden (2-, oder 3-achsig) c
: mit erhöhten
Wänden m
: 15 t Ladegewicht und mehr l
: 7 m Ladelänge und 17 m2 Ladefläche k
: mit beweglichen Kopfklappen versehen u
: unbrauchbar zur
Verladung lür Militärfahrzeugen und Geschützen Ocmlk[u] ist kein kodierter Zauherspruch aus Mittelerde, sondern ein preußischer 0-Wagen. Viele Beiträge des LBF befassen sich mit den K.Bay.St.B. Modelbahnverkehr gibt es aber auch nördlich davon, in Preußen (wenn auch seltener veröffentlicht). Um dem abzuhelfen, niöchte ich ihnen in loser Folge Modellbahngüterwagen der KPEV vorstellen. Diese stellen die Länderbahn-paten/Vorgängermodelle dar, aus denen die späteren Einheitsgüterwagen des ab 1909 gegründeten Staatswagenverbandes (DWV) entwickelt wurden. Heute der Umbau eines Lastesels, kein attraktiver, doch ein unentbehrlicher Koks- und Kohlewagen, der in den Zechen des Ruhrgebietes als auch in denen Oberschlesiens zuhause war. Vorbild
Der
Ocmlk[u], gebaut nach dem preußischen Musterblatt (pr. II d 2) ist gewissermaßen
der Länder- bahnpate (Vorläufer der genormten DWV-Fahrzeuge) der bis in die
30-er entwickelten offenen 2-achsigen Kohlewagen. Er stellt den späteren Oc Münster
bei der DRG dar. Aus ihm wurden bei der DRG der Om Ludwigshafen und Om
Essen/Breslau abgeleitet. Gebaut von 1891 bis 1909 in fast 17.000 Exemplaren gehörte
er seinerzeit nicht zu den seltensten seiner Gattung. Leider taucht er im
Vergleich zu seinen DWV-Brüdern auf Modellbahn gleisen eher selten auf. Für
die Modellumsetzung hilfreich ist die Zeichnung von Stefan Carstens im Band 3-Güterwagen,
offene Wagen, S. 35/36, von Carstens/ Diener. Generell
zum
Umbau
Bekanntlich
führen viele Wege nach Rom, getreu dem Motto ein jeder soll selig werden
nach seiner Facon. Manche hieven ihre Fahrzeuge aus der Schachtel aufs
Gleis und sind damit zufrieden, andere bauen daran um, andere bevorzugen den
kompletten Selhstbau. Hauptsache man ist letztendlich mit dem erzielten
Kompromiss und Ergebnis zufrieden. Befasst
man sich näher mit Vorbild, Patinierung und atmosphärischer Wirkung eines
Wagens, wird man Umbauten vornehmen, wofür lndustriemodellc die Basis liefern.
Wie weit jeder seinen Umbau/ kom- promiss vorantreibt geht nach Gusto,
Fahrbetrieb, technischen Geschick und Ausstattung. Ich entschied mich für ein
verfeinertes Fahrzeug mit stimmigen Maßen für den Anlagenbetrieb, also sollten
alle sichtbaren Details dran sein. NEM-Räder sind unnötig groß und
breit. RP-25 ist zwar auch ein Kom- promiss, aber ein optisch gangbarer und
betriebstauglicher (seit 50 Jahren erprobt). Wer H0-Pur be- vorzugt, sollte
beachten, daß das Fahrwerk neu (selbst)gebaut werden muss. Schraubenkupplungen
in H0 setzten größere, vorbildnahere Radien und gut funktionierende
Federpuffer voraus. Modell:
Das
Piko-Modell aus der preußischen Güterzugpackung war die Grundlage meines
Umbaus. Auf vielen Tauschmärkten oder in Second-hand Läden mag es noch erhältlich
sein. Heute ist nur sein sächsisches Pendant in grau erhältlich. Die
abgewandte DRG-Ausführung (Om Ludwigshafen) ist im aktuellen Piko-Programm
nicht mehr enthalten. Und so gehts: 1) Untergestell Nach
dem Zerlegen
des
Wagens
wandern Räder
und
Kupplungen
in
die Bastelkiste. Von Haus aus
ist der Wagen mit einer "verkrüppelten" Druckluftbremsnachahmung
nachgebildet. Dies war zu Länderbahn- zeitcn eher selten, erst die DRG führte
Anfang/Mitte der 20-er Jahre diese ein.
Länderbahnwagen
waren, wenn überhaupt, handgebremst. Da ich die (für die Epoche I weitaus
haufigere) ungebremste Version nachbauen
wollte, wurde die Nachbildung der Luftzylinder weggefräst. Die nicht stimmigen
Achshalter, angespritzten
Bremsbacken,
verkümmerten Trittstufen und die Hülsenpuffer
wurden
entfernt. Eine Kurzkupplungskinematik
kann
eingeklebt werden (Roco/Symoba/Gützold) Ich habe mein Modell mit den typischen
2-fach geschlitzten Federpuffer von Weinert nachgerüstet. Rangiergriffe aus 0,3
mm Messingdraht komplettieren den Pufferbereich. Die Piko-Achsblechbügel werden
in die Aussparungen des Wagenbodens mit
Zwei-Komponentenkleber
befestigt. Es können wahlweise Weinert RP-25 Scheiben- oder Speichenräder
verwendet werden, Neue Fahrwerksachshalter erhält man von einem Trix-Güterwagen.
Sie sind zwar nicht 100%-ig preußisch, stimmen in der Gesamtwirkung. Wer es
genauer möchte, wird bei Bavaria fündig oder muß zum Selbstbau greifen. Als
Umbauer hätte (deutliches Konjuktiv) man es mit dem Austausch der
Achshalter (Preßblech und Fachwerk) und Achslagerbüchsen deutlich einfacher
haben können, wenn die Firma Günther, die jahrelang im Katalog aufgeführten
Teile (1711/2, 1711 bis 1714 und 1720 bis 1760) führte, diese auch geliefert hätte
(wieder Konjunktiv). Selbst Liliput liefert spätestens 5 Jahre nach Ankündigung
die Ware ja noch aus. Bei Günther wird es wohl ein süsses Geheimnis bleiben,
wie man so meint Dienst am Kunden betreiben zu wollen. Da
die Luft nun "raus ist", und der Wagen als Leitungswagen gestaltet
werden soll, erhält er noch 2 Bremsschläuche älterer Bauart. 2 Rangiertritte
rechts unter die Pufferhohlen und links unter die jeweils linken Ladetür
folgen. Diese können selbst aus 0,5 mm Eisendraht und Plastikplättchen gebaut
werden oder man nehme Weinert. Somit ware der Umbau des Wagen unterbodens
beendet. 2)
Wagenkasten
Sämtliche
angespritzten Griffstangen und Zugschlußscheibenhalter werden entfernt, die
Stellen mit Sandpapier geglättet. Die Griftstangen können aus 0,3 mm Messing
oder Eisendraht hergestellt werden. Die Zugschlußscheibenhalter waren beim
Vorbild herausnehmbar gestaltet (Steckteile). Wer einen Ganzzug nachbaut, kann
gerne diese beim Schlußwagen anbringen. Unter die Ecksaulen des Wagen- kastens
kommen Seilösen. Wer mag kann die angespritzten Zurrösen (6 je Längsseite
sowie 2 je Pufferbohle) wegschaben und mit Steckteilen ersetzen. Seil- und Zurrösen
stammen aus dem Zurüstsatz für Güterwagen von Weinert. Die Geduld wird zwar
strapaziert der Wirkung tut es gut. Wer seinem Lastesel eine echte Kohleladung
verpaßt, haucht dem Modell seine authentische Daseinsberechtigung ein. 3)
Beschriftung
Wer
mehrere Wagen einsetzten möchte, wird die Wagennummern und die Direktionen
variieren wollen. Das kann man aus diversen Gaßner-Beschriftungsbögen
zusammenstückeln oder man bestellt zielgerichtet seine Wunschbeschriftung bei
Ostmodelle. Dort sind übrigens für alle Preußenfans preußische Wappen für
G- und P-Wagen erhältlich. 4)
Patinierung
Kann
wahlweise mit Kreidestaubpulver, Wasserfarben, Acryll-/Spiritusacke und Verdünnung
erfolgen. Wer es hat (und kann) wird ein Airbrushgerät verwenden. Ich habe
meinen Wagen per
Hand patiniert. Es soll nicht verschwiegen werden daß es Zeit erfordert, bis
das Ergebnis halbwegs stimmig ist. Zum Beweis des Gesagten dient obiges Foto
meines fertigen Modells aufs Übergabegleis der Stendaler Kleinbahn. Beim
nächsten mal befassen wir uns mit dem preußischen Vorläufer des G (10) München,
bei der Reichsbahn als G Stettin/Hannover eingereiht. Viel Vergnügen beim
Umbau! Quellen: 1)
Carstens S., Diener H.U.: Güterwagen, Band 3: offene Wagen, 1. Auflage
1996 2)
Diener H.U.: Om Breslau/Essen, Eisenbahn Journal 1991/Nr. 10 S.
44-48 3)
Om Ludwigshafen: Eisenbahn Journal, 1992/Nr. 1, S. 110-113 Teileliste:
-Piko
: 1 x 544138 (H0) (Ocmlk[u] Berlin) -Roco
: 1 x 40341 (Nachrüst-Kurzkupplungskinematik -
Günther :
1 x 1207 (Bremsschlauch gerippt, ältere Ausführung)
: 1 x 1325
(pr. Bremsschlauch-Länderbahnausführung) -
Weinert :
1 x 8608 (gefederte 2-fach geschlitzte Korbpuffer)
: 1 x 9254 (Güterwagen Zurüstteile: z.B. Seil- und Zurrösen)
: 1 x 9701 (RP-25 Scheibenräder) oder
: 1 x 9721 (PR-25 Speichenräder)
: 1 x 8737 (Holztritte Messing) Messingdraht
: 0,3 mm Eisendraht
: 0,5 mm Kunststoffplatte:
0,5 mm (Conrad, Evergreen o.ä.)
Die
Württembergische Güterzuglokomotive Klasse Fc von
Lothar Spielhoff DRG-Baureihe
538,
C n2v, 1890 bis 1930 Nachdem
der Modellbahnhersteller Brawa Lokomotiven württemhergischer Bauart als Modell
in der HO- Spurweite aufgelegt hat, soll nun die Güterzuglokomotive als Vorbild
vorgestellt werden: Als
sich das Verbundfahren auch
bei den Güterzuglokornotiven
der Gattung G4 in Nord-deutschland erfolgreich durchgesetzt hatte, wurde es in Württemberg
ebenfalls sehr bald über-nommen und angewandt. Im
Jahre 1882 baute Henschel in Kassel zwei
C-gekuppelte Lokomotiven mit diesem Verfahren. 1885 wurden weitere 5 Stück
für die Preußische Staatsbahn von Schickau in Elbing gebaut. Nach anfänglichen
Schwierig- keiten beim Anfahren wurden diese durch die Wechselvorrichtung
verbessert, die es gestaltete, die Züge mit der gleichmäßig und sicher
wirkenden Zwillingsleistung der Maschine in Gang zu setzen. Die ersten
Umschaltvor- richtung stammte von v Borries, die beste kam dann von der Uniongießerei
Königsberg mit dem ausgeführten Dultschen Wechselventil. Das Verbundverfahren
brachte mit dem erhöhten Dampfdruck eine Ersparnis des Kohleverbrauchs von 10
bis 18% ein, In Preußen wurden bis 1899 immerhin 770 Lokomotiven als G4 C n2v
gebaut. Bayern führte auch dieses Verfahren mit der Güterzuglokomotive der
Gattung C IV ab 1889 erfolgreich ein. In
der Zeit von 1890 bis 1892 wurden 30 Lokomotiven als Klasse Fc gebaut, die
Zylinder von 480/685 mm Durchmesser mit einem Raumverhältnis von 1:2,03
erhielten. In ihrem Grund-aussehen entsprach die Fc der F. Der Buchstabe
"c in der Gattungsbezeichnung bedeutet Verbund (Compound). Der
bisherige sehr kurze Achsstand der F-Lokomotive wurde von dem kritischen Maß
von 3000 mm auf 3200 mm vergrößert, wobei der Kessel zum Ausgleich der größeren
Zylindergewichte etwas nach hinten verschoben wurde. Die Fc erhielt jetzt ein
homogeneres Aussehen mit ihren vorderen und hinteren Überhängen. Äußerlich
unterschieden sich die F und Fc in der Dampfdomanordnung, bei der F befanden
sich diese in Kesselmitte und auf dem Stehkessel, bei der Fc auf dem vorderen
Kessel-schuss und dem glatten Stehkessel. Ferner waren bei der Fc die
Dampfzylinder leicht geneigt angeordnet. Das Dienst bzw. Reibungsgewicht kam
jetzt auf 39.6 t. Durch die Kesselverschiebung nach hinten ergaben sich
Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Tragfedern durch die kleinen Treibräder
von 1230 mm zwischen dem Stehkessel. Es war nicht mehr möglich, die Tragfedern
unter der letzten Achse unter dem Achslagergehäuse unterzubringen. Auch über
dem Achslager war keine Möglichkeit vorhanden, da der Platz für den Stehkessel
benötigt wurde. Um eine harte Querfeder nicht anwenden zu müssen, befand sich
über der zweiten Kuppelachse die obenliegende Blattfeder und an deren Ende im
Anschluss eine umgekehrte Blattfeder bis über die dritte Kuppelachse. Zwischen
1892 und 1896 wurde bei der Beschaffung der Fc eine Pause eingelegt. Von Klose
wurden 1893 die F1c und 1894 die F I forciert mit ihrem größeren Achsstand und
dem Klose-Triebwerk. Nachdem diese erprobt waren. setzte sich die
Weiterbeschaffung der Fc in größerem Umfang bis 1909 fort. Lediglich der
Dampfdruck wurde ab der Bahn-Nr. 650 von 12 auf 14 bar erhöht. Insgesamt
wurden von der Fc 125 Lokomotiven beschafft, die größte Stückzahl einer
Klasse in Württem- berg. Fast alle wurden von der MF Esslingen geliefert. nur 8
Stück aus den Jahren 1907 und 1908/09 kamen aus der Hauptwerkstätte Esslingen.
Sie lieferten damit eines der wenigen Beispiele für den bahneigenen Loko-
motivbau aus der Zeit nach 1880. Die Hauptwerkstätte Esslingen stand
unmittelbar neben der MF Esslingen auf dem Gelände des heutigen Bahnhofs
Esslingen. Auffallend
sind die niedrigen Baulose der Fc. Dies zeigt aber, dass man in Württemberg mit
dieser Klasse im Güterzugbetrieb sehr zufrieden war
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