Länderbahn Forum

 

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Friday, 02. April 2004

 

Länderbahn Forum 2/99

Inhaltsverzeichnis:

 

1. Kurz belichtet

2. Messing-Bausatz ... selbst erstellen...... ich ?

3. Die einzelnen Entwicklungsperioden der deutschen Signaltechnik

4. Der Schienenoberbau der württembergischen Staatsbahn

5. Die sechsfach gekuppelten Zahnradlokomotiven der KKStB Reihe 269

6. Neue Länderbahn-Modellbahnprodukte

 

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Lieber Länderbahnfreund,

Mitten in der Urlaubsperiode und hoffentlich an einem herrlichen Sommertag erreicht Sie diese neue Ausgabe des Länderbahn Forum.

Mit der heutigen Ausgabe 2-99 ist ein weiteres Jubiläum er-reicht, nämlich AusgabeNr. 10!!! des Länderbahn Forum. Ein guter Anlass für einen Rückblick:

Noch immer überrascht mich der Erfolg des Forum und ich frage mich manchmal - wo wird dies enden? Immer mehr Leser, mehr Inhalt, breitere Themen-abdeckung, mehr workshops, neue Projekte? Klinkt gut, aber was bedeutet dies für mein eigenes Hobby? Seit Beginn dieses Jahres habe ich mich nur einige kurze Momente mit meiner eigenen “Bahn” beschäftigen können. Das einzige, unvollendete, Bauprojekt war das Modell des Säuretopfwagens, das an-lässlich unseres dritten Lötworkshops in Karlsruhe enstanden ist.

Irgendwie war das auch nicht unbedingt Sinn und Zweck dieses Projekts zum “Informationsaustausch”. So lange das Interesse - auch am aktiven Mitarbeiten - vorhanden ist, will ich gerne weiter machen. Wird das Forum aber zum Konsummittel einer bezahlenden “grauen Masse”, dann schiesse ich an meinem ursprünglichen Ziel meilenweit vorbei. Um nur ein Vorbild zu nennen:

Zum Lötworkshop im April hatten sich eine ganze Reihe interessierter Modellbauer verbindlich angemeldet. Wolfgang Hug und ich haben uns auf diese Gruppe logistisch vorbereitet - und mußten dann leider zur Kenntnis nehmen, daß beinahe die Hälfte der angemeldeten Teilnehmer sehr kurzfristig absagten. Wenn man solche workshops aus eigener Initiative und aus kollegialer Hilfsbereit-schaft organisiert und hinterher mit einem negativen Saldo sitzen bleibt (da der Unkostenbetrag auf eine gewisse Teilnehmerzahl kalkuliert war und die Kosten nicht anderweitig gedeckt werden), dann bleibt der Frust schon hängen.

Mit dem Abstand einiger Wochen, und dem positiven Erlebnis, daß der Workshop auch im kleinen Kreis ein schöner Erfolg war, dann schaut man schon wieder etwas heiterer in die Zukunft. Trotzdem ein Wort in aller Freundschaft: Das Länderbahn Forum und seine Mitarbeiter engagieren sich aus Lust und Laune an dieser Initiative, um Mithobbyisten behilflich sein zu können, ohne finanzielle Zielsetzung. Falls ein großer Teil der Leser aber ausschliesslich dem passiven Konsum frönt und ansonsten den Standpunkt einnimmt “liefert mal, ich habe schliesslich dafür bezahlt”, dann kann das Konzept langfristig nicht aufgehen.

In diesem Sinne möchte ich Sie wieder einmal aufrufen, um es denjenigen Kollegen gleich zu tun, die sich die Zeit genommen haben um ihre Erlebnisse im Modellbau auf zu schreiben, oder die Ihre Archive geöffnet haben um Informationen mit den anderen Lesern zu teilen. Nur so kann das Projekt
“ Länderbahn Forum “ auch im neuen Millennium funktionieren.

So, nun aber genug der Rückschau im “Zorn”.... In der heutigen Ausgabe des LBF starten wir mit einer Reihe zum Thema “Signaltechnik” im Vorbild und Modell. Eröffnet wird der Themenbereich mit einem Aufsatz zum genannten Thema, in den nächsten Ausgaben wird dies weiter vertieft.

Falls Sie sich selbst ebenfalls in die Signaltechnik einer oder mehrerer speziellen Länder-bahn-Gesellschaft vertieft haben und hierüber über Material verfügen (auch im Bild, etc..) dann bitte ich um Ihre Hilfe. Ich benötige nämlich noch weitere Informationen zu diesem Thema um Ihnen ein umfassendes Bild bieten zu können.

Desweiteren lesen Sie im neuen Forum über neue Modelle, über Bauerfahrungen und weitere Neuheiten zu unserem Hobbybereich.

Außerdem finden Sie am Ende dieses Forum noch einmal den Fragebogen der bereits im Jahr 1997 ausgeführten Leserbefragung.

Seit der letzten Umfrage sind beinahe zwei Jahre vergangen und ich denke es ist wieder einmal höchste Zeit um von Ihnen zu erfahren was Sie von Ihrem Länderbahn Forum erwarten. Bitte nutzen Sie die Gelegenheit um Ihre Wünsche und kritischen Anmerkungen zu äußern, es hilft mir um das Länderbahn Forum noch merh an Ihre Wünsche anpassen zu können.

In diesem Sinne verbleibe ich wie immer mit

Vielen Grüße aus Utrecht,

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Kurz belichtet

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Von unserem Leser, Herrn Peter Lechner erhielt ich folgende Notiz:

In der MIBA 6/99 wurde unter dem Titel „Ihnen fehlt was„ das Ergebnis einer Umfrage unter den Lesern dieser Zeitschrift veröffentlicht. Zwei Ergebnisse sind dabei interessant:

Die Modellbahnepoche I hat (wie die Epoche V) „kaum noch Anhänger„. So schön es aus Sicht eines Epoche I-Fans ist, nicht zur Masse der Modellbahner zu gehören (klar in Front Epoche III vor II und IV), so wenig kann das Ergebnis erfreuen, wenn es künftig darum geht, Modelle zu erhalten. Sollten Hersteller die Umfrage als Anhaltspunkt für die Modellpolitik nehmen, kann das zu einem Rückgang das Modellangebots führen. Das gerade, wo die Auswahl an erschwinglichen Modellen besser geworden ist.   
Gleichzeitig aber, so ebenfalls die Umfrage, war der Wunsch nach Signalen der Länderbauart auffallend hoch. Wie paßt das zusammen? Was tut jemand mit Länderbahn-Signalen auf einer Epoche III Anlage?

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ab 01.Mai 1999 hat der FREMO- FREUNDESKREIS EUROPÄISCHER MODELLBAHNER e.V. seine Internet Darstellung unter einer eigenen einprägsamen domain: http://www.fremo.org
Die einzelnen Seiten zu Themen wie Modulnormen einzelner Baugrößen, FREMO-Termine, Digital-steuerung von größeren Modulanlagen und eine ausführliche, redaktionell betreute Linkliste zu diversen
Eisenbahnthemen sind von dort aufrufbar. Die Site wird weiter ausgebaut und soll sich zu einer
wichtigen Informationsquelle im WWW entwickeln.

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Von unserem Leser, Herrn Hans-Jürgen Begau erhielt ich folgende Frage:

Angeregt durch Ihren Bericht ueber die Rai-Mo Wagen der Bayern Serie und der Ankündigung über die Wuerrtemberger in der naechsten Ausgabe, habe ich meinen Karton der Würrt. Wagen mit der Nr. 200 220 wieder hervorgesucht. Vor langer Zeit habe ich diese Wagen erstanden und angefangen, einen zu montieren. Dann kamen mir Zweifel, ob es diese Wagen ueberhaupt so gegeben hat. Ich habe bisher keine Zeichnungen gesehen und vermute, das es sich um ein Fantasieprodukt handelt. Nun ist meine Neugier wieder geweckt, ob man zumindest mit den Wagenkaesten etwas anfangen kann.

Wer kann hier weiterhelfen ?

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Die Idee von Herrn Knappich bezüglich des Baus von genormten Länderbahn-Modellmodulen wurde von einigen Lesern positiv aufgenommen. Jetzt stellt sich die Frage: Wie geht es weiter ?

Wer macht einen konkreten Vorschlag um dieses Projekt zu starten ? Bitte melden Sie sich bei Interesse bei mir, dann kann ich die Ideen sammeln und im nächsten Forum an alle Leser vorstellen - Danke!

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Per email erreichte uns folgende Information von Herrn Christian Weber aus der Schweiz:

Wenn es Sie interessiert, wir haben auch ein paar Länderbahnwagen im "Programm" (es handelt sich um sehr limitierte Stückzahlen!), schauen Sie mal unter www.arte-tec.ch/modell.htm nach!

Vielleich bin ich bei Ihnen an der richtigen Adresse: Ich habe eine ganze Anzahl an gebundenen Exemplaren der REVUE GENERAL DE CHEMIN DE FER zu verkaufen, alle mit Lederbindung ab ca 1870 und in gutem Zustand. Sicher kennen Sie diese Zeitung, so dass sich eine weitere Beschreibung erübrigt, und ich würde gerne einen wirklichen Liebhaber für diese Bücher finden. Tausch ist möglich, vor allem gegen Originalzeichnungen von Wagen und Lokomotiven bis 1950, oder Fahrzeugmodelle aller Art.

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Herr Jens Saße, Schulatr. 34, D.26954 Nordenham (Tel.: 04731-80454) sucht Interessenten der Großher-zoglich Oldenburgischen Eisenbahn - im Vorbild oder Modell. Er befürchtet daß er der Einzige Liebhaber dieser Bahn ist. Bitte setzen Sie sich bei Interesse direkt mit Herrn Saße in Verbindung.

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In eigener Sache: Bitte geben Sie Adressänderungen baldigst an mich durch. Es passiert immer wieder, daß ich Briefsendungen zurück erhalte und ich dann das LBF nicht nachsenden kann oder daß ich doppelte Portokosten tragen muß. Eine Postkarte genügt !!!

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und dann war da noch etwas mit Bierwagen-Beschriftungen...


Diese Problem scheint sich zum Mega-Alptraum zu entwickeln. Allerdings ist nach Systemabsturz, Inkompatibilitäten und anderen Unwegsamkeiten der Weg nunmehr frei zur Reproduktion. Ich werde Sie baldigst hierüber informieren bzw. die Beschriftungssätze an die Besitzer von Bierwagensets senden. Dies wird aber sicher nicht vor Ende August 1999 geschehen. Leider ist damit eine trauriger Rekord erreicht: es hat beinahe ein Jahr bis zur Auslieferung gedauert.

Ich bitte dies nochmals zu entschuldigen. Bei möglichen folgenden Projekten wird der Verkauf erst dann geschehen, wenn alle Teile verfügbar sind - das kann ich Ihnen jetzt schon versprechen...

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Aufgrund anderer Proritäten in dieser Ausgabe erscheint der zweite Teil der Rai-Mo Geschichte erst in der folgenden Ausgabe des LBF. Ich bitte um Ihr Verständnis.....

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Messing-Bausatz ... selbst erstellen...... ich ?

ein Beitrag von Richard Scholz, Koblenz

Sie sehen gut aus, die Bausätze von BAVARIA; ...in der Vitrine auf den Messen Dortmund oder Köln! Als Kind hab ich mir die Nase platt gedrückt, wenn ein Besuch in der Stadt mit einem Modell-Bahn bestückten Schaufenster ´gekrönt´ werden konnte. Diese Erinnerungen wurden lebendig, als ich zum ersten Mal diese ´edlen´ Teile vor mir sah. Bekomm ich das auch hin ?

Der Hemmschuh war, daß ich bisher absolut keine Erfahrung mit Messingmodellen hatte!Sollte ich´s wagen ? In Dortmund ´98 ohne Bausatz nach Hause gefahren; ...in Köln ´98 - wieder am BAVARIA-Stand - gab´s ein wenig Anschauungsunterricht ....kostenlos.

Sah relativ einfach aus, die Arbeit mit Tinol und Flammlötgerät, ...aber die Dame beherrschte ihr Handwerk !, bekanntlich ist das meiste relativ einfach, vorausgesetzt man kann´s!

Ein paar klärende Fragen an Herrn Kebbel ließen die Hemmschwelle doch merklich sinken. Noch ein sehnsüchtiger Blick auf die Vitrine...., die Entscheidung war gefallen. Bausatz 2.153 (Gedeckter Güterwagen G+N) durfte ich mein Eigen nennen.

Zuhause die erstandenen Teile näher betrachtet, ausgiebig! Mehrmals die Bauanleitung gelesen; kann ich nur empfehlen, denn diese wurde von ´Könnern´ geschrieben und die bewegen sich gedanklich nicht immer auf der Ebene von Anfängern. Grobe Fehler sind mir mit dieser Anleitung nicht unterlaufen. Den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag werde ich vorbringen.

Eine Keramikplatte im nächsten Baumarkt besorgt und darauf die ersten Versuche gestartet.

Das war nicht ideal, irgendwie zu rutschig; aber wo hatte ich was von Lötunterlagen gelesen ....? Kataloge ? Fehlanzeige! Die Anzeigenseiten in irgendeinem Monatsheft helfen weiter; ´5 DM in Briefmarken versenden´ - werden bei Bestellung verrechnet -; nach ein paar Tagen den Katalog studieren und Bestellung aufgeben. Sinnvolle Dinge wie Stiftenkölbchen, Kleinstbohrer, Glasradierer, Feilen ..... werden natürlich gleich mitbestellt. Spätestens nach dem Eintreffen der Bestellung und einer anschließenden Bauphase wird sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, daß passendes Werkzeug erheblich zum Gelingen eines solchen Projektes beiträgt. Die Messingteile säuberlich trennen und entgraten, vorsichtig feilen, evtl. mit der Lupe einen Kontrollblick wagen, Tinol sparsam auftragen, Bauteile ausrichten und fixieren; Lötflamme vorsichtig an die Lötstelle heranführen ... fest ist das Teil! In diesem Rhythmus gelingt ein Teil nach dem anderen und mit jedem gelungenen Schritt wächst die Motivation für den Nächsten. Sollte doch mal das ´Fragezeichen auf der Stirn´ zu groß sein, führt die Hilfe über Adressen im Anzei- genteil des Länderbahn-Forum; wovon ich gerne Gebrauch machte. Anrufen und fragen; ich habe bereitwillig Auskunft und Ratschläge erhalten; macht irgendwie sicherer!

Es gab auch Tage, da lief nicht viel. Dann macht es keinen Sinn es ´trotzdem´ zu wollen. Zeit ist ein Faktor der im täglichen Leben ohnehin strapaziert wird; hier ist mir die Freude am Tun wichtiger; also Zeit oder Eile nicht so wichtig. Mit dem Erreichten muß ich zufrieden sein, nicht der lobende oder nörgelnde Betrachter.

Was letztlich bei meinen Versuchen heraus kam.... urteilen Sie selbst! Kommenden Freitag fahre ich nach Dortmund, zur Messe natürlich. Ich werde wieder am BAVARIA-Stand zu finden sein und werde mir nicht mehr die Frage stellen ´bekomm ich das auch hin? ´. Wie oft wollen Sie sich noch diese Frage stellen ?

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Streifzug durch die Geschichte der deutschen Signaltechnik

von Dr.-Ing. Hans Wolfgang Sasse, Sonderdruck der Fa. Siemens, aus der Zeitschrift “ Signal und Draht “, 50. Jahrgang - Heft 11/12 - 1958, zur Verfügung gestellt durch Herrn Schünemann, Seesen

1.Vorwort

Der Blick des Ingenieurs ist vorwärts gerichtet, er neigt nicht dazu, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Daher findet man im technischen Schrifttum auch nur selten Abhandlungen, die sich mit der Geschichte der Technik beschäftigen. Jubiläen, Gedenktage und Nachrufe geben Gelegenheit zu einem Rückblick, während die Fachaufsätze und -bücher fast nur über den gegenwärtigen Stand der Technik berichten.

Die verfügbare Fachliteratur reicht nicht aus, um ein einigermaßen lückenloses Bild der Geschichte der deutschen Signaltechnik aufzuzeigen. Daher ist es wohl richtig, diese Arbeit als Streifzug zu bezeichnen.Die Fachliteratur der Signaltechnik beschränkt sich auf wenige Standardwerke: Schubert (eine spätere Auflage stammt von Schubert-Roudolf), Scholkmann, Scheibner, Hentzen, Cauer, Möllering, Buddenberg, um die wichtigsten zu nennen, ferner auf Druckschriften der Signalbauanstalten und nicht zuletzt auf den reichen Schatz dieser Zeitschrift. Im Verhältnis zum Umfang des Stoffes ist die Ausbeute an historischem Material kärglich. Nur einige wenige Abhandlungen beschäftigen sich mit dem Werdegang der Signaltechnik oder eines ihrer Teilgebiete.

Stellt man die Angaben der einzelnen Autoren zusammen, so findet man nicht selten Widersprüche, die sich nicht immer aufklären lassen. Es möge daher verziehen werden, wenn hier und da einem Kun-digen eine kleine Unrichtigkeit auffallen sollte. Erst kürzlich hat Rehschuh eine ausgezeichnete Arbeit ,, Aus der Geschichte des Stellwerks" im ,Jahrbuch des Eisenbahnwesens" veröffentlicht. Daß auch auf diese Arbeit hier und da zurückgegriffen wird, ist bei der dort gebotenen Stoffülle nicht zu verwundern,.

Schließlich ist noch vorauszuschicken, daß sich die vorliegende Arbeit auf die deutsche Signaltechnik beschränkt und daß hier wiederum während der Länderbahnzeiten die Anlagen der preußischen Bahnen im Vordergrund stehen, eine natürliche Folge der Tatsache, daß sich die ältere Fachliteratur fast ausschließlich mit dem preußischen Sicherungswesen befaßt. Erst seit den 20er Jahren ist die Beschreibung der Länderbauarten immer mehr in den Hintergrund getreten.
Selbst solch kleines Spezialgebiet wie die Signaltechnik läßt sich noch in eine Reihe von Teilgebieten aufgliedern, Man kann nun den Werdegang der Teilgebiete je für sich behandeln oder die Gesamtentwicklung durch die einzelnen Jahrzehnte hindurch verfolgen. Beide Verfahren haben etwas für sich und so ist versucht worden, in Zeittafeln die Marksteine der Teilgebiete festzuhalten und im Text die verschiedenen Entwicklungs-Perioden herauszuschälen.

2. Die einzelnen Entwicklungsperioden der deutschen Signaltechnik

a) Die Zeit vor 1870

An der Wiege der Signaltechnik stand das Signal, dessen Vorfahr der optische Telegraph war. Bereits 1791 baute Claude Chappe die erste Telegraphen-linie von Paris nach Lilie mit 20 Zwischenstationen; die Signalmaste der einzelnen Stationen standen in Sichtentfernung und bildeten eine fortlaufende Kette, über die die einzelnen Zeichen mit einer für die damalige Zeit bemerkenswerten Schnelligkeit weitergegeben wurden. Der Erfolg derartiger Telegraphenlinien veranlaßte Preußen 1832, einen opti-schen Telegraphen zwischen Berlin und Coblenz mit 70 Zwischenstationen einzurichten. Die Leipzig-Dresdener Bahn führte 1842 als erste deutsche Eisenbahn optische Telegraphen in Form von Flügelsignalen ein. Im Laufe der Jahre folgten die an-deren Eisenbahnverwaltungen, wobei jede Bahn ein mehr oder weniger anderes System benutzte, kein Wunder, daß eine kaum zu überbietende Buntscheckigkeit an Signalsystemen und Signalmitteln entstand. Die Signale hatten die Abfahrt eines Zuges von Wärter zu Wärter zu melden; mit der Weitergabe der Signale bekundete der Wärter, daß die Zugfahrt nicht behindert sei. Die optischen Telegraphen sollten nur die Aufmerksamkeit der mit Unterhaltungsarbeiten beschäf-tigten Bahnwärter wachrufen; sie hatten weder die Bedeutung von Deckungssignalen noch den Abstand zwischen den einzelnen Zügen zu regeln; denn in Deutschland hatte man schon sehr früh die Zeitfolge der Züge durch die Raumfolge im Bahnhofsabstand ersetzt,

Die Erfindung des elektrischen Läutewerks und der elektrischen Telegraphen nahm den optischen Telegraphen einen Teil ihrer ursprünglichen Aufgaben und beschränkte sie immer mehr auf ihre noch heute bestehenden Signal-Aufgaben. Trotzdem hat sich die Bezeichnung ,,Telegraphen" für die Hauptsignale noch sehr lange gehalten; so sprach man von Bahnzustandstelegrap-hen, Blockstationstelegraphen, Bahnhofsabschlußtelegraphen und Perrontelegraphen; erst die Eisenbahn-Signal-Ordnung (ESO) von 1892 ersetzte die Bezeichnung ,Telegraph" durch ,,Signal".

Die Signale und Weichen wurden in der Frühzeit der Eisenbahnen an Ort und Stelle durch Handstellvorrichtungen bedient. Im Laufe der Zeit stellte sich die Notwendigkeit heraus, feindliche Signale und später auch die Weichen und Signale in gegensei-tige Abhängigkeit zu bringen. Die verschiedensten- recht primitiven - Einrichtungen wurden ersonnen und angewandt, bis Saxby 1856 die Abhängigkeit zwischen den Stelleinrichtungen, also den Weichen und Signalhebeln, erfand. Rebschuh bezeichnet daher 1856 als das Geburtsjahr des Stellwerks. Die beiden englischen Eisenbahner Saxby und Farmer gründeten die gleichnamige Firma, die 1860 mit dem Bau von Abhängigkeitsstellwerken begann. Stellwerke der Bauform Saxby & Farmer wurden in der folgenden Zeit nicht nur im Heimatland England, sondern in aller Welt gebaut; in Deutschland baute die Kölnische Maschinenbauanstalt in Bayenthal 1868 das erste mechanische Stellwerk der Bauform Saxby & Farmer, das in Börßum, südlich Braunschweig, aufgestellt wurde. An der Montage dieses ersten in Deutschland hergestellten Stellwerks waren die Ingenieure Büssing und Henning beteiligt, die in der Folgezeit das deutsche mechanische Stellwerk zu schaffen berufen waren.

Überblickt man die Zeit vor 1870, so findet man im deutschen Signalwesen eine große Zerrissenheit, die auf die vielen Bahngesellschaften zurückzuführen war; die eigentliche Signaltechnik hatte - von primitiven Anfängen abgesehen - noch keinen Eingang bei den deutschen Eisenbahnen gefunden.

b) Die Gründerjahre der Signaltechnik (1870 bis 1895)

In die Zeit von 1870 bis 1895 fallen die wichtigsten Erfindungen auf dem Gebiet der mechanischen Stellwerke und des Handblocks; Männer wie Büssing und Henning haben dem mechanischen Stellwerk ihren Stempel aufgedrückt, während Carl Frischen, Siemens & Halske, das Blockfeld und damit den Handblock schuf. Schließlich ist in diesem Zeitabschnitt Ordnung in das Wirrwarr der Signalisierung gebracht worden. Um 1870 beginnt also die Entwicklung einer eigenen Sig-naltechnik in Deutschland.

1869 waren zwei Unternehmun-gen entstanden, die in der deutschen Signaltechnik eine be-deutende Rolle gespielt haben: Henning kauft mit seinem Freunde Schnabel in Bruchsal eine mechanische Werkstätte auf; sie gründen die Firma ,,Schnabel & Henning" und nehmen 1870 mit 24 Arbeitern den Signalbau auf. Ungnade und Claus gründen ebenfalls 1869 in Braunschweig eine Signalbauanstalt, in die 1870 Büssing und 1873 der Kaufmann Max Jüdel eintreten. Fortan heißt die Firma ,,Max Jüdel & Co”.


Die ersten Versuche deutscher Bahnen mit Stellwerksanlagen englischer Bauart befriedigten wenig. Büssing konstruierte daher das Saxby-Stellwerk um; ein derartiges Stellwerk lieferte Jüdel 1873 für Bf Halberstadt.

1873 schlug der damalige Direktor der Rheinischen Bahnen, Rüppell, dem technischen Leiter der SigB Max Jüdel & Co' Büssing, vor, Schubstangen für die Abhängigkeit zwischen den Weichen- und Signalhebeln zu verwenden. Nach dieser ,,Bauart Rüppell" wurde in Barleben bei Magdeburg 1874 ein Stellwerk mit Gestängeweichen und eindrähtiger Signalstellung gebaut; das Stellwerk hatte noch die lang-schäftigen Hebel der Bauart Saxby' das Verschlußregister lag unter dem Fußboden. Erst 1888 haben die Steilhebel ihre heutige Form erhalten.
1875 führte Büssing die längs laufenden Schubstangen ein, die zunächst durch die Signalhebel, erst später durch besondere Fahrstraßenhebel gesteuert wurden. Seither hieß dieses Stellwerk ,,Bauart Rüppell-Patent Büssing".

In knapp zwei Jahrzehnten entstanden in erstaunlich rascher Folge die Grundformen unseres mechanischen Stellwerks: der Weichenspitzenverschluß, der Doppeldrahtzug für Weichen- und Signalstellung, das selbsttätige Drahtzugspannwerk, die selbsttätige Drahtbruchsperre für Wei-chenantriebe, der aufschneidbare Weichenhebel, der Weichenriegel, die Kurvenantriebsrolle für Signalantriebe, die Stellvorrich-tung für ein- und mehrflügelige Signale u. a. m.

Den Bau von mechanischen Stellwerken hatten neben Jüdel und Schnabel & Henning inzwischen eine Reihe weiterer Firmen aufgenommen: Siemens & Halske, deren mechanisches Stellwerk von den übrigen Bauformen erheblich abweicht, Scheidt & Bachmann, Stahmer, Zimmermann & Buchloh, Gast, Fiebrandt & Co., Weinitschke u. a. m. Der zweite bedeutende Erfindungskomplex der Gründerjahre rankt sich um den Handblock. Wie bereits angedeutet, war auf den deutschen Bahnen die Raumfolge der Züge schon frühzeitig eingeführt worden; sie wurde anfangs durch Morsetelegraphie oder durch die aus England bezogenen Block-zeigertelegraphen geregelt. 1875 ist die Raumfolge gesetzlich vorgeschrieben worden.

1871 schlug die Geburtsstunde unseres Wechselstrom-Hand-blocks; Werner Siemens und Carl Frischen hatten ihn auf Anregung deutscher Eisenbahn-Verwaltungen entwickelt, nachdem sie im Oktober 1870 eine Denkschrift über ein einheitliches Blocksys-tem herausgegeben hatten. Zum ersten Male waren hierin blockabhängige Signale vorgeschlagen. Im Februar 1871 war der Wechselstromblock soweit durchgearbeitet, daß er auf der Strecke Berlin-Potsdam- Magdeburg mit zunächst vier Blockapparaten erprobt werden konnte. Im gleichen Jahre sind noch 160 Blockapparate geliefert worden.

Wenige Jahre später ist die Sperrklinke erfunden worden, die das Niederdrücken eines geblockten Feldes verhindert. Es folgte in den 80er Jahren die Erfindung aller wesentlichen Teile des Blockfeldes: die mechanische Druckknopfsperre - heute als Ta-stensperre bezeichnet -, der Ver-schlußwechsel, der Schienen-durchbiegungskontakt, die elektrische Armkupplung - heute: Flügelkupplung - und schließlich in den 90er Jahren die Hilfsklinke und die elektrische Druckknopfsperre.

Im Kriege 70 hatten sich bei den Militärtransporten Schwierig-keiten ergeben, die auf das uneinheitliche Signalwesen der zahlreichen deutschen Eisenbahn-Verwaltungen zurückzuführen waren. Zwar bestanden schon aus den 60er Jahren her gewisse Bestimmungen für die Signalisierung, die aber nicht ausreichten, weil sie zu geringe Forderungen stellten oder nur den Charakter von Empfehlungen trugen. Nach dem Kriege 70 widmete man sich eifrig dieser Frage und so kam schon 1872 eine ESO für den Be-reich des Norddeutschen Bundes heraus. Das 1873 gegründete Reichseisenbahnamt - im alten Deutschen Reich hießen die späteren ,,Reichsministerien" ,,Reichs...ämter"; die Bezeichnung hat sich noch im ,,Auswärtigen Amt" erhalten - gab 1875 ein Bahnpolizei-Reglement - so hieß früher die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung - und in Verbin-dung damit die erste ESO für die deutschen Eisenbahnen heraus. Das Armsignal - Arm ist die alte Bezeichnung für Flügel - wurde als Hauptsignal bestimmt mit Halt: waagerechten Arm und Fahrt: Arm unter 45 Grad nach oben; Rotlicht für Halt, aber Weißlicht für Fahrt nur, wenn kein Weichenbereich folgte, sonst Grünlicht Vorsicht; ,,Vorsicht" konnte tags zusätzlich durch eine kleine grüne Scheibe am Signalmast gekennzeichnet werden; Mehrflügler kannte die ESO von 1875 noch nicht. Die Unterscheidung zwischen Einfahrt in einen Bereich mit oder ohne Weichen - durch Grünlicht (grüne Scheibe) oder Weißlicht (weggedrehte Scheibe) unterschieden - genügte vielen Bahnen nicht; sie führten daher Wegesignale ein, die aus Mehrmastern oder Mebrflüglern bestanden; bei ihnen zeigte jeweils nur ein Flügel Fahrt, während alle anderen in Haltstellung blieben. Die vielen waagerechten Flügel bzw. Rotlichter verwirrten - im Aus-land sind heut noch derartige Mehnmaster im Gebrauch - und so wurden dann durch Bundesratsbeschluß vom 20. 6. 80.,, Bahnhofsabschlußsignale (Einfahrsignale) mit zwei Armen" eingeführt. Preußen führte schließlich 1892 noch Dreißügler ein, die erst 1948 beseitigt worden sind.

Auch die Vorsignale stammen aus der ersten ESO von 1875; sie sollten aber nur auf Anordnung der Aufsichtsbehörde und zwar nur vor Einfahrsignalen im Abstand von 600 bis 1000 m aufgestellt werden. Seit 1885 waren sie auch vor Block- und Deckungssignalen zugelassen. Es wurde aber sehr sparsam von ihnen Gebrauch gemacht. Dies änderte sich erst, als 1900 ein schwerer Unfall auf ein fehlendes Vonsignal zurückzuführen war. Bereits 1873 hatten die preußischen Bahnverwaltungen darüber diskutiert, ob Distanzsignale oder Vorsignale eingeführt werden sollten. Die Majorität stimmte fürs Vorsignal. Viele andere Bahnen des Auslandes führten das Distanzsignal ein, das im Bremswegabstand vor dem Gefahrpunkt aufgestellt wird. Trifft ein Zug auf ein geschlossenes Distanzsignal, so hat er unverzüglich zu bremsen, um noch vor dem Gefahrenpunkt mit Sicherheit zum Halten zu kommen. Im Laufe der Zeit haben aber auch die Ausländer die Distanzsignale durch Haupt- und Vorsignale ersetzt. Anläßlich der Konferenz der preußischen Bahnen (1873) regte die Niederschlesisch-Märkische Bahn an, die Vorsignale mit den Hauptsignalen zwangsläufig zu verbinden. Diese Anregung wurde als Vorschrift in die ESO von 1875 übernommen, 1885 aber dahingehend abgeändert, daß die Zwangsläufigkeit auch durch eine Folgeabhängigkeit ersetzt werden durfte; das Hauptsignal mußte hierbei als erstes auf Fahrt, das Vorsignal aber als erstes wieder in Warnstellung zurückgestellt werden. Diese Methode wurde in Sachsen zur Regel.

Die damaligen Vorsignale zeigten bei Haltankündigung die volle grüne, weißumrandete Scheibe, nachts ein grünes Licht und wurden weggedreht oder weggeklappt - nachts ein weißes Licht -, wenn das zugehörige Hauptsignal Fahrt zeigte. Das war so lange unbedenklich, bis nach der ESO von 1892 Grünlicht am Hauptsignal freie Fahrt, am Vorsignal aber Vorsicht bedeutete. Dieser Mißstand verschwand erst mit der ESO von 1907 durch die Einführung des Doppellichtvorsignals.

c) Die Zeit von der Mitte der 90er Jahre bis in den ersten Weltkrieg hinein

Jeder Entwicklung folgt mit einer gewissen Phasenverschiebung die Anwendung, wenigstens die auf breiter Basis. Und so begannen um die Jahrhundertwende die mechanischen Stellwerke wie Pilze aus der Erde zu schießen. Ein Beispiel aus dem Ausstoß der SigB Max Jüdel & Co. mag dies erläutern:

in der Zeit von 1880 bis 1892 wurden im Jahresmittel 75 Hebelwerke geliefert, zwischen 1892 und 1908 im JM 250 und zwi-schen 1908 und 1942 im JM rd. 150; zu der letzten Zahl wäre zu ergänzen, daß die hohe Lieferzahl bis in den ersten Weltkrieg angehalten haben dürfte, dann wesentlich abgesunken sein wird, um kurz vor und während des letzten Krieges wieder stark anzusteigen. Ähnlich wird es den anderen SigB ergangen sein.

Die Vielzahl der SigB - 1912 lieferten 15 SigB den Preußischen Staatsbahnen mechanische Stellwerke - hatte eine Buntscheckig-keit von Bauformen zur Folge, zumal einige Firmen im Laufe der Zeit mehrere, z. T. recht unähnliche Bauformen herausgebracht hatten; es sei nur an die Bauformen ,,Bruchsal G" - Stellwerk mit vorn liegendem Verschlußregister - und ,, Bruch-sal 1" - hinter den Hebeln liegendes Verschlußregister erinnert. Die Firma Schnabel & Henning, die um die Jahrhundertwende in ,,Maschinenfabrik Bruchsal" umbenannt war, hatte darüber hinaus noch weitere Bauformen - von A bis K - entwickelt , die aller- dings z. T. nur in Süddeutschland abgesetzt wurden. Die vielen verschiedenen Bauformen veranlaßten Scholkmann, den damaligen Sicherungsreferenten der Preuß. Staatsb., das Sicherungs-dezernat des 1907 gegründeten Eisenbahnzentralamtes Berlin mit der Entwicklung eines mechanischen Einheitsstellwerks zu beauftragen. Die Entwicklungsarbeiten am Einheitsstellwerk, das in der Hauptsache auf den Firmenbauarten Jüdel, Zimmer-mann & Buchloh sowie Fiebrandt aufgebaut wurde, begannen 1907; 1911 wurden bereits sechs Probe- stellwerke in Auftrag gegeben und kurz vor Kriegsbeginn - im Juli 1914 - waren die allgemeinen technischen Vorarbeiten im wesentlichen abgeschlossen. Dieses Werk Hentzens setzte Buddenberg nach dessen Ausscheiden im Jahre 1923 fort.

Scholkmann war es auch, der die Gründung des Stellwerksausschusses 1898 und des Block- und Telegraphenausschusses 1902 veranlaßte. 1909 wurden beide Ausschüsse zum Block- und Stellwerks-Ausschuß vereinigt, der bis in den 2. Weltkrieg hinein gewirkt hat. Nach dem Kriege (1948) ist er als Signal- und Fernmelde-Ausschuß neu erstanden.

Eine weitere, wesentliche organisatorische Neuerung geht auf Scholkmann zurück und zwar die Schaffung der Sicherungsdezernate im Jahr 1902. Bis dahin hatten die bautechnischen Strecken-dezernate die Sicherungsanlagen zu betreuen. Auf der Ämterebene - damals noch Inspektionen genannt - bestanden Telegraphen-Inspektionen, denen als Dienst-stellen die Telegraphenmeistereien (Telm) unterstanden. Mit der Einrichtung der Dezernate 39 gingen die SichAnl auf die Betriebs-Inspektionen und Bahnmeistereien über.

Die ESO von 1907 brachte eine Reihe von Neuerungen: die wichtigste war wohl die Einführung des Doppellicht- vorsignals, das Ulbricht, der nachmalige Präsident der Generaldirektion der Sächs. Staatsb., erfunden hatte. Die Vorsignale erhielten das Aus-sehen der heutigen Zweibild-Vorsignale; Tiefvorsignale, die bislang bei Profilschwierigkeiten angewandt waren, wurden abgeschafft und durch Hänge-vorsignale ersetzt. In Preußen wurden die Vorsignal-Tafeln (damals ,, Merkpfähle") eingeführt. Auch wurden die Wegesignale eine besondere Gruppe von Hauptsignalen.

Wenn die ESO auch für alle Länderbahnen verbindlich war, so wurden doch den außerpreußischen Bahnen bei den ortsfesten Signalen der hohen Ände-rungskosten wegen Abweichungen zugestanden.Die Länderbahnen behielten weiterhin eigene Si-gnalbücher, die die in ihrem Be-reich gültigen Signale in Anlehnung an die ESO enthielten. So hat dann Bayern erst 1921 das Doppellichtvorsignal eingeführt und damit das Weißlicht für Fahrt- und das Grünlicht für Haltankündigung abgeschafft. Erst die ESO von 1935 erschien in einem allgültigen Signalbuch, bei dem die Sondersignale in den Anhang verwiesen waren. Auch heute findet man noch die alten Sondersignale; man sieht daraus, wie schwierig es ist - der hohen Kosten wegen -, ein einheitliches Signalwesen zu schaffen, ist es doch bei uns im Verlauf von mehr als 80 Jahren noch nicht restlos gelungen.

Die ESO von 1907 vereinheitlichte auch die Wei-chensignale, von denen es drei Systeme gab: das preußische, sächsische und süddeutsche; das preußische wurde zur Einheit erhoben, weil dessen Signale nachts für besser sichtbar gehalten wurden als die anderen und in der großen Mehrzahl waren. Seit 1906 liefen auch Bestrebungen, mit einem einzigen Weichensignal bei doppelten Kreuzungsweichen auszukommen. Vorschläge der Bahnen Preußens, Bayerns, Sachsens und Oldenburgs lagen im Rennen. Eine Entscheidung fiel erst viel später und zwar zugunsten des sächsischen Vorschlags, als 1923 die Petroleum-knappheit zur Einschränkung der Lichtpunkte zwang. Der sächsische Vorschlag stammte von Cauer und war von der AEG konstruktiv durchgebildet worden.

Ein weiteres, aus dem heutigen Rangierbetrieb kaum mehr wegzudenkendes Signal erschien zum erstenmal in der ESO von 1907: das Gleissperrsignal (Hs). Bis dahin behalf man sich im Rangierbetrieb mit ortsfesten klappbaren Haltscheiben. Die vielen Rotlichter störten damals, und so fand das aus Bayern stammende hohe Gleissperrsignal in die ESO Eingang. Zunächst wurde es als Sig 14/12 (Ve 3/Wn 1), seit 1913 als Sig 14/14a (Ve 3/4) betrieben.

Wenn auch der Handblock Mitte der 90er Jahre in seinen wes-entlichen Teilen entwickelt war, so fanden doch die Blockanlagen erst in der folgenden Zeitspanne bis zum 1. Weltkrieg ihre heutige Form. Die Länderbahnen schufen ihren Stationsblock' für den neben der Wechselstromblockung von S & H besonders in Süddeutschland ein mechanischer Bahnhofs-block benutzt wurde; ihn hatte Jüdel Anfang der 80er Jahre herausgebracht. Damals gab es nur Befehlsstellen, in denen das Freigabewerk als Wechsel-stromblockwerk oder Kurbelwerk stand. Bei den süddeutschen mechanischen Blockanlagen wirkten die Freigabekurbeln über Doppeldrahtzüge auf die Fahrstraßenhebel, die in Grundstellung und in ungelegter Stellung verschlossen waren. Bei der Signalfreigabe wurde der Fahrstraßenhebel entsperrt, der sich nach dem Umlegen selbst sperrte. Legte dann der Fdl nach beendeter Fahrt die Freigabe-kurbel zurück, so wurde der Fahr-straßenhebel wieder frei, der sich nach dem Zurücklegen wieder selbst sperrte. Der Wärter nimmt bei diesem System an der Blockung überhaupt nicht aktiv teil. Auf dem gleichen Prinzip entwickelte die Firma Jüdel einen Gleichstromblock - man kann ihn als Vorläufer des Bahnhofsblocks 43 bezeichnen, er ist in Bayern häufig verwendet - sowie einen Wechselstromblock, bei dem der Wärter für jede Umschlagrichtung eines Fahrstraßenhebels ein ,, Sperrfeld" ohne Tasten hat; nur der Fdl kann die Blockfelder be-dienen, weil nur er einen Blockinduktor zur Verfügung hatte, Dieser Wechselstrom-Bahnhofsblock arbeitet nach dem Prinzip der Gruppenblockung, die auch bei den anderen süddeutschen Länderbahnen im Gegensatz zu Preußen üblich war. Ganz erheblich von den übrigen Stationsblockanlagen wichen die der Sächsischen Staatsbahnen ab. Möllering beschreibt in seinem Werk die Bahnhofsblockformen aller deutschen Bahnen sehr eingehend.

Das Feld der Streckenblockung beherrschte allein der Wechsel-stromblock von S & H, nachdem die anfangs auch noch benutzten sonstigen Fabrikate hatten weichen müssen. In den ersten Jahren des Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Zweifelder-Block durch den heutigen Vier-felder-Block ersetzt. Nach dem schweren Unglück bei Altenbeken schrieb Preußen die elektrische Tastensperre vor, die dann auch von den übrigen Länderbahnen übernommen wurde. Auf eingleisigen Strecken benutzte man, sofern nicht das telegraphische Zugmeldeverfahren genügte, zunächst das Zugstabverfahren. Nach verschiedenen Vorläufern brachten S &H die Form B und ihrer betrieblichen Mängel wegen - spitze Kreuzungen sind nicht möglich, auch kann eine einmal erteilte Erlaubnis nicht zurückgegeben werden - später die Form A heraus. 1936 waren bei der Reichsbahn 2500 Strekken-km mit Form A und 900 km mit Form B ausgerüstet.

Die bedeutendsten Erfindungen der letzten beiden Dezennien vor dem ersten Weltkrieg waren wohl die Kraftstellwerke; sie kamen aber erst nach dem ersten Weltkrieg so recht zum Tragen. Sieht man von Signalen mit elektrisch ausgelösten Uhrwerksantrieben ab, so sind die ersten Versuche mit hydraulischen Stellwerken gemacht worden, die aber in Deutschland nicht Fuß fassen konnten. Das erste Druckwasser-Stellwerk wurde 1873 von Schnabel & Henning auf der Weltausstellung in Wien gezeigt, aber nicht im praktischen Betriebe eingesetzt. 1881 ist in Berlin Lehrter Bf ein hydraulisches Stellwerk einer Firma Bresch & Co. dem Betriebe übergeben worden; es mußte aber nach vier Jahren Betriebszeit seiner vielen Mängel wegen wieder stillgelegt werden.

Die Druckluftstellwerke waren dagegen in Deutschland erfolg-reicher, wenn sie auch letztlich dem elektromechanischen Stell-werk haben weichen müssen. 1900 haben Scheidt & Bachmann in Düsseldorf-Bilk das einzige reine Druck- luftstellwerk gebaut, bei dem die Preßluft nicht nur als Stellkraft, sondern auch zum Steuern der verschiedenen Antriebsbewegungen diente. Da die Reichweite der Druckluftsteuerung sehr beschränkt ist, sie liegt bei etwa 150 m, erhielten alle weiteren Druckluftstellwerke elektrische Steuerung, die auch bei dem Stellwerk in Düsseldorf-Bilk nachträglich eingerichtet worden ist. Die Druckluftstellwerke stützten sich auf amer-ikanische Patente; sie mußten von den deutschen SigB auf die deutschen Sicherheitsbedingungen umgestellt werden. Da die USA geringere Anforderungen an die Betriebssicherheit stellen als wir, bewährte sich das erste Westinghouse-Stellwerk, das den scharfen deutschen Bedingungen noch nicht angepaßt war, in München Hbf nicht. Die Firma Westinghouse hat daraufhin, ihre Druckluftstellwerke durch Stahmer den deutschen Verhält-nissen angleichen lassen. Neben Stahmer und Scheidt & Bach-mann haben sich auch Schnabel & Henning vorübergehend mit dem Bau von Druckluftstellwerken beschäftigt. Die Firma Siemens & Halske hat nach anfänglichem Schwanken sich gar nicht erst im Bau pneumatischer Stellwerke versucht, sondern sich von vornherein der Entwicklung elektromechanischer Stellwerke gewidmet.

Es ist das unsterbliche Verdienst von Robert Pfeil, der als Nachfolger Frischens 1892 die Leitung des Blockwerks übernommen hatte, das deutsche elektromechanische Stellwerk bis zur Reife der Bauform 1912 durchentwickelt zu haben. Das erste derartige Stellwerk zeigen S&H schon 1891 auf der Internationalen Elektrotechni-schen Ausstellung in Frankfurt (Main). Im folgenden Jahr wurden die ersten Weichenantriebe auf dem Westbf in Wien erprobt und zwei Jahre später (1894) das erste elektromechanische Stellwerk (S & H, Wien) in Prerau/Mähren (Kaiser-Ferdinand-Nordbahn) dem Betriebe übergeben.

Nachdem auch S&H, Berlin, Weichen- und Signalantriebe entwickelt hatten, konnte 1896 in Berlin-Westend das erste elektrische Stellwerk im Reichsgebiet in Betrieb gehen; es hat bis 1923 Dienst getan. In dieser Dreireihenbauform 95/96 wurden in den beiden folgenden Jahren weitere Stellwerke hergestellt. Die von 1899 bis 1901 gefertigten Stellwerke bildeten den Übergang zur Einreihenbauform 1901. Die Bauform 95/96 hatte, da die einzelnen Schalter in drei Reihen übereinander lagen, eine so große Bauhöhe, daß man nicht darüber hinwegsehen konnte; auch waren die Leitungen und Einzelteile schwer zugänglich. Das Schalterwerk der Bauform 1901 dagegen war nur 1,25 m hoch; die Leitungen waren fest verlegt und die einzelnen Hebel als Ganzes her-auszunehmen. Während die Weichenantriebe der Bauform Westend 6 sec. zum Umlaufen brauchten, schafften es die Weichenantriebe der Bauform 1901 in 3 sec.

Das Hebelwerk der Bauform 1907 brachte als wesentlichste Neuerung den Fahrstraßensignalhebel; der 1873 von S&H im mechanischen Stellwerk eingeführte Fahrstraßenhebel als besonderes Stellglied wurde jetzt wieder überflüssig. Das Stellwerk 1907 brauchte kaum 3/5 des Platzes der Bauform 1901, weil die Hebelteilung von 100 mm auf 75 mm reduziert war. Im Jahr 1909 wurde ein Rangierstellwerk mit Glühlampenüberwachung in Köln-Kalk-Nord aufgestellt. Die Lampen leuchteten nur beim Umstellen, Auffahren und bei Störungen auf. Die Entwicklung der Einreihenstellwerke ist schließ-lich durch die Bauform 1912 gekrönt worden, die 1943 mit unwesentlichen Verbesserungen unter der Bezeichnung E 43 zur Einheitsform erklärt wurde. Die Steliwerke E 43 haben in der Regel die Glühlampen- Dauerüberwachung statt der bis dahin üblichen Farbscheiben-Überwachung.

Zu erwähnen sind noch die vielen Kraftantriebsarten für Vorsignale, die vor dem ersten Weltkrieg in großem Umfange eingebaut wurden, so die Preßgasantriebe der Firmen Maschinenfabrik Bruchsal, Stahmer, S&H u. dgl.; sie gehören der Geschichte an, denn sie wurden später durch die vereinfachten elektrischen Signalantriebe ersetzt.

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Der Schienenoberbau der württembergischen Staatsbahn

von Stefan Hartmann, Stuttgart, zusammengefasst aus “Die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Königreich Württemberg”, von Otto Supper, 1891


Angeregt durch die Artikel über den Schienenoberbau süddeutscher Länderbahnen habe ich einige weitere Nachforschungen betrieben und bin dabei über das Buch “Die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Königreich Württemberg” , von Otto Supper aus dem Jahre 1891gestolpert.

Unter anderem widmen sich mehrere Seiten dem Schienenweg. Hieraus habe ich die Abbildungen entnommen. Neben vielen Fakten die aus dem Länderbahnforum - Artikel von Jacques Timmermans bekannt sind, möchte ich noch ein paar Anmerkungen machen (gültig für den Zeitraum um 1890-95, in dem das Buch entstand), die den einen oder anderen Leser interessieren könnten (ebenfalls aus 0. Supper S.87-100)

Schienenprofile:

Die württembergischen Schienen sind zwischen 4,56m und 12m lang. Für Brückenaufschlüße, Stegübergänge und dergleichen gab es einzelne Schienen in einer Länge von 18m.

Das Profil Dl unterscheidet sich vom Profil D durch die Verstärkung des Schienensteges von 11 auf l3mm.

Schwellen:

In den ersten Jahrzehnten wurden nur eichene Schwellen -die Zwischenschwellen ohne Unterlagsplatten- verwendet.

Ab Anfang der 60er Jahre wurden forchene und tannene Zwischenschwellen versuchsweise verlegt (ohne Unterleg platten aber imprägniert) . Die Schienen drückten sich jedoch stark ein, so daß die Nägel Ihre Haltekraft verloren. Seit 1866 zog man deshalb 2 eichene Schwellen ein. Durch die gemachten Erfahrungen wurden ab 1877 sämtliche Zwischenschwellen aus imprägniertem Weichholz unter Verwendung von Unterlagsplatten erstellt. Schließlich verwendete man Schwellen aus Forchenholz auch für Stoß- und Weichenschwellen. Die Maßen der Schwellen waren:

                                                                   Länge         Breite         Höhe
Schienenprofil A,B:         Stoßschwelle         2,43m         0,29m         0.17m
                                  Zwischenschwelle      2,43m        0,23m         0,17m

Schienenprofil C:             Stoßschwelle         2,40m         0,30m         0.16m
                                   Zwischenschwelle     2,40m        0,24m         0,16m


1870 erfolgte der erste Versuch mit eisernen Querschwellen auf der Strecke Mengen-Scheer. Die Befestigung der Schienen erfolgte mit Keil und Krampen. Obwohl die Versuchsschwellen schwach und kurz waren und das Material ungünstig beansprucht wurde befriedigte dieser erste Versuch.

Ab 1879 wurden größere Strecken mit den eisernen Querschwellen nach Profil 1 verlegt.

Das Profil II wurde ab 1883 und das Profil III schließlich ab 1887 verlegt. Bei dem Profil III steigerte sich die Länge von 2,4Cm auf 2,50m. Zur Schienenbefestigung wurde nicht mehr Keil und Krampen benutzt, sondern die Schienen wurden nach dem System Rüppell befestigt. Für das Schienenprofil E wurde ein neues Schwellenprofil gewählt (Profil IV) . Die Schienenbefestigung erfolgt nach dem System Heindl.


Um ca. 1895    C:        Stoßschwelle         2,50m         0,25m         0,155m

                  *     C:        Stoßschwelle         2,50m         0,30m         0,155m

                  *     für die Unterhaltung der Strecken mit altem C Profil- Gleis)

Schwelleneinteilung:

Profil A,B und C siehe Zeichnung.

Profil D:         10 Schwellen mit Entfernungen
                        -am Stoß        0,5 m
                        -nächst dem Stoß    0,753 m
                        -sonstige         1,00 m

            Um 1895 auf gerader Strecke und solchen mit
            R > 500 m 12 Schwellen, auf Strecken mit
            R < 500 m 13 Schwellen mit einer größten
            Schwellenentfernung von 0,8 m bzw. 0,72 m.

            Beim Profil E sind dies 16 bzw. 17 Schwellen auf 12 m Schienenlänge.

Nach Vorbild vor allem der bayrischen Staatsbahn verlegte man im Jahr 1866 auf den Bahnlinien Wasseralfingen -Goldshöfe und Reutlingen - Kilchberg kürzere, in Einschnitten gelegene Strecken mit Steinwürfelunterstützung auf zweierlei Art:

    - mit gewöhnlichen Stoßschwellen und 5-6 Würfeln je nach Festigkeit des Untergrundes

    - mit schwebendem Stoß und 6-7 diagonal liegenden Würfeln, in Krümmungen war in der Mitte der                           Schiene noch eine Querstange angebracht

Im Jahr 1867 ist das dreiteilige Langschwellensystem Köstlin und Battig auf einer Länge von 1360 m zwischen Wasseralfingen und Goldshöfe zur Anwendung gekommen. Die beiden 6 m langen Unterschienen bestehen aus ungleichschenkligen Winkeleisen. In Entfernungen von 2 m liegen Querverbindungen aus T-Eisen, 122/70 mm stark. Aufgrund seiner unangenehmen Eigenschaften wurde das Gleis nach einigen Jahren wieder entfernt.

1869 wurde das einteilige Langschwellensystem Hartwich auf der Strecke Blaufelden - Schrozberg in einer Länge von 1750 m erprobt. Die Schienen lagen unmittelbar auf der Bettung. Auch diese Bauform wurde schon nach einigen Jahren wieder beseitigt.

Zwischen 1878 und 1880 verlegte man auf der Strecke Heilbronn - Eppingen einschließlich Weichen und Nebengleisen 25,67 km Gleise nach dem zweiteiligen Langschwellensystem Hilf. Die Schiene war 9 m und die Langschwelle 8,96 m lang. Die Querverbindung wurde mittels einer 2,6 m langen, der Schienenneigung entsprechend gebogenen Querschwelle hergestellt, die das selbe Profil wie die Langschwelle aufwies. Zudem kam noch eine Spurstange aus Rundeisen. 1890-91 mußten aufgrund erheblicher Spurerweiterungen weitere Spurstangen eingezogen werden.

Das Haarmann'sche Schwellenschienensystem wurde 1887 zwischen Beimerstetten und Ulm auf rund 2,2 km Länge, zwischen Lauf fen und Nordheim auf ca. 2 km Länge und auf der Strecke Mühlacker - Bretten im Jahre 1889 auf 15 km und 1893 auf 5 km verlegt worden. Die zwei Schienenhälften waren 9 m lang. Die Spurhaltung erfolgte mittels 4 Querverbindungen pro Schienenlänge. Die Verbindungen sind am Stoß 1,5 m, sonst 2,5 m von einander entfernt und bestehen aus 70/13 mm starken Flacheisen.

Auf der Zahnradstrecke Honau - Lichtenstein haben D Profilschienen, eiserne Querschwellen nach Profil III und Zahnstangen nach dem System Biffinger Verwendung gefunden. Das Bergwärtswandern des Gleises wurde durch Verankerung in Betonklötze verhindert, welche sich in Entfernungen von durchschnittlich 100 m folgten.

Am 31. März 1894 betrug die Länge des Oberbaus mit Querschwellensystem 2608,08 km (98%) und auf das
Langschwellensystem entfielen 27,05 km (2%).

Bei den Gleisen mit Querschwellen entfielen auf:

    Gleise mit hölzernen Querschwellen          1630,22 km    62,51%
    Gleise mit eisernen Querschwellen             976,47 km     37,44%
    Gleise mit Steinwürfeln                             1,39 km =    0,05%


Für die Bettung wurde in der Regel Fluß- und Moränenkies ohne Vorlage, in den Muschelkalk- und Juraformationen dagegen Kleingeschläg mit Vorlage aus den besten Kalksteinschichten und auf einzelnen Strecken Sandsteinvorlagen mit Kalkstein -schotter verwendet. In der ersten Normalzeichnung vom Jahre 1844 war die Bettungstiefe in der Mitte 0,372 m, an den Kanten 0,458 m stark. Nach der Umstellung auf das metrische System im Jahre 1873 wurden die Maße auf 0,4 bzw. 0,5 m aufgerundet. Ab dem Jahr 1860 wurden die vom Straßenbau übernommenen Erdbankette bei Neubauten weggelassen bzw. bei älteren Strecken wieder entfernt, da sie die Entwässerung sehr behinderten.

Soweit die Passagen über den Gleisbau, die ich dem Buch entnehmen konnte. Leider waren keine Zeichnungen von Weichen enthalten, aber vielleicht kann hier ja ein anderer Leser weiterhelfen.

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Die sechsfach gekuppelten Zahnradlokomotiven der KKStB Reihe 269

von Wolfgang Hug, Karlsruhe


Die Entwicklung der Zahnradstrecken

Die erste Zahnradbahn in Europa wurde 1877 von dem Schweizer Nikolaus Riggenbach entwickelt und gebaut. Sie führte als reine Zahnradstrecke (ohne Adhäsionsbetrieb) auf den Rigi. Bei dieser sogenannten Leiterzahnstange waren die Zähne mit eckigen Zapfen in die beiden parallel verlaufenden Wangen eingesetzt und mit diesen vernietet. Dieses Zahn- stangensystem wurde von Bissinger und Klose modifiziert. Bei deren Zahnstange waren die Zähne in runde Aussparungen eingesetzt, wobei ein durchlaufender Steg an den Wangen ein Drehen der Zapfen im Betrieb verhinderte. Diese Zahnstange konnte einfacher gefertigt werden und war u.a. auf der bad. Höllentalbahn sowie auf der württ. Strecke von Hohnau nach Lichtenstein eingesetzt.

Etwas später entwickelte der Schweizer Roman Abt auf Anregung Albert Schneiders aus Blankenburg die Lamellen- zahnstange. Das Ergebnis war eine größere Laufruhe, eine höhere Sicherheit sowie die Übertragung höherer Zugkräfte gegenüber dem System Riggenbach. Außerdem konnte das längenspezifische Gewicht deutlich reduziert werden. Abt löste technisch auch den Übergang von der Adhäsion- zur Zahnstangenstrecke und konstruierte funktionsfähige Weichen in Zahnradstrecken. Im Jahre 1892 wurde Roman Abt das französische und ein Jahr später das deutsche Patent erteilt. Ihre Premiere feierte die Erfindung auf der Harzbahn. Die von Abt für die Harzbahn entwickelte Zahnstange hatte drei parallel angeordnete evolentenverzahnte Lamellen mit einer Zahnteilung von 120 mm. Dieses System wurde in der zweilamelligen Ausführung bei allen preußischen Zahnradstrecken angewandt.

Aufgrund der guten Erfahrungen auf der Harzbahn entschloß man sich im Jahre 1897, die steirische Eisenerz- Vordernberger Bahn nach dem Abt'schen Zahnradsystem mit zweilamelliger Zahnstange auszustatten. Bei der Trassenführung mußten Steigungen bis zu 71,7 0/00 in Kauf genommen werden, welche mit einem normalen Adhäsionsantrieb nicht mehr zu bewältigen waren.


Reihe 269

Die ersten Lokomotiven für den Abtransport der abgebauten Erze zu den Hüttenwerken in Donawitz waren dreifach gekuppelte Lokomotiven der Reihe 69. Im Gegensatz zu den als Vorbild dienenden Harzbahn-Lokomotiven hatten die von Floridsdorf gelieferten C1 Maschinen eine Heusigersteuerung und einen unmittelbaren auf die zweite Zahnradachse wirkenden Antrieb. Diese Maschinen wurden 1890 erstmals in einer Serie von 4 Stück abgeliefert, welcher bis 1908 weitere 14 Maschinen in verbesserten Ausführung folgten. 1938 gingen alle 18 Maschinen als Baureihe 97 201 bis 218 vorübergehend in den Bestand der DRG über.

Bereits im Jahr 1911 konnte der anfallende Erztransport durch diese Maschinen nicht mehr allein bewältigt werden. Ein zweigleisiger Streckenausbau kam nicht in Frage, so daß von der Alpinen Montangesellschaft stärkere Lokomotiven gefordert wurden. Aufgrund der guten Erfahrungen mit der 1F-Gebirgslokomotive der Reihe 100 für die Tauernbahn beschloß Gölsdorf eine Lokomotive für gemischten Zahnrad- und Reibungsantrieb mit sechsfacher Radsatzkupplung zu konstruieren. Wiederum wurde die Lokomotivfabrik Floridsdorf mit der Durchführung beauftragt. Die als Reihe 269 bezeichnete Lokomotive erhielt eine breite, über dem Rahmen stehende Feuerbüchse. Bedingt durch die starken Steigungen verfügten die Maschinen über eine geneigte Feuerbüchsendecke. Auf einen Überhitzer verzichtete man im Interesse der vereinfachten Wartung. Das Zahnradtriebwerk mit direktem Antrieb der zweiten der beiden gekuppelten Zahnradpaare wurde von der Reihe 69 übernommen. Der Zahnradrahmen ruhte unabgefedert, jedoch senkrecht und waagrecht nachstellbar auf den benachbarten Kuppelachsen des Reibungsantriebs. Um die Zahnstange zu schonen wurde auf eine Verstärkung des Zahnradantriebs verzichtet. Jede Triebwerksgruppe hatte ihre eigene Heusingersteuerung, welche beim Adhäsionstriebwerk durch Gegenkurbeln, beim Zahnradtriebwerk durch Exzenter auf der zweiten Zahnradachse angetrieben wurden. Die Außenzylinder wirkten über eine verlängerte Kolbenstange auf die vierte Kuppelachse. Die erste, fünfte und sechste Kuppelachse verfügte über Seitenspiel, so daß Radien mit 180 m problemlos durchfahren werden konnten. Um Stangenbrüche zu vermeiden wurden in die letzten Kuppelstangen Kardangelenke eingebaut. Da die Lokomotiven überwiegend im Schiebebetrieb eingesetzt werden sollten, erhielten sie Ausgleichpuffer, welche durch Winkelhebel verbunden waren. Große Sorgfalt wurde der Abbremsung gewidmet. Im Normalbetrieb genügte die Vakuum-Reibungsbremse der Lokomotive mit Abbremsung der ersten, zweiten, fünften und sechsten Kuppelachse sowie der Wagen. Insbesondere bei schlechtem Wetter kam zusätzlich die Riggenbach-Gegendruckbremse zum Einsatz sowie als Not- bzw. Feststellbremse eine Differential-Lamellenbremse, welche über Stahlbänder auf die geriffelten Bremstrommeln auf den Zahn-radachsen wirkten. Später erfolgte eine Nachrüstung mit Druckluftbremse. Um die Rauchbelästigung beim Befahren der langen Tunneln zu reduzieren, wurde auf dem Kesselscheitel vor dem Führerhaus ein Laval-Turbinenlüfter angeordnet. Die Anlage bewährte sich jedoch nicht besonders und wurde später wieder ausgebaut.

Im Jahre 1912 wurden von der Alpinen Montangesellschaft die drei Maschinen 269.01 bis .03 in Betrieb genommen. Diese Maschinen gingen später in den Besitz der KKStB über und waren bis zum Erscheinen der 1F1 Maschinen der Reihe 369 die stärksten Zahnradlokomotiven überhaupt. Die zulässige Höchst-geschwindigkeit lag bei Zahnradbetrieb bei 15, sonst bei 25 km/h. Dabei konnten bei der Bergfahrt 220 t befördert werden. Folgende Dauerleistungen wurden angegeben:

Alle drei Lokomotiven wurden vorübergehend als 97 301 bis 303 von der DRG übernommen. Nach den Reihenschema der ÖBB wurden die Maschinen als 197.301 bis 303 bezeichnet. Die drei Lokomotiven waren im Heizhaus Vordernberg beheimatet und verließen ihre Stammstrecke nie. Die letzte der drei Maschinen wurde 1978 ausgemustert.


Das Micro-Modell der Reihe 269

Die Reihe 269 ist als sechste Gölsdorf-Maschine von Micro-Metakit in der Spurweite H0 gefertigt worden und befindet sich derzeit in der Auslieferung. Die Detaillierung dieser ersten Tenderlokomotive nach Österreichischem Vorbild läßt auch beim kritischen Modellbahner keine Wünsche offen, Lackierung und Beschriftung sind wie immer akkurat und sauber ausgeführt. Besonders gefallen der detaillierte Rahmen, die filigrane Ausführung der beiden Triebwerke, die hinteren durchbrochenen Kuppelstangen mit den Schmiergefäßen sowie die vorbildgerechte Nachbildung der gefederten Ausgleichpuffer. Das Modell ist in sechs verschiedenen Versionen sowie in zwei Sondereditionen lieferbar. Für die Länderbahnfreunde sind die beiden KKStB-Varianten interessant, einmal die 269.03 in der grau/dunkelgrau/schwarzen Ausführung von 1912 sowie die 269.02 in der schwarzen Regelausführung von 1913 mit messingfarbenen Kesselringen. Das Modell ist mit einem Schneepflug ausgestattet, ein zweiter größerer Schneepflug liegt bei.

Die Tenderlokomotive wird über einen im Langkessel sitzenden Faulhabermotor angetrieben. Der Antrieb erfolgt auf die fünfte Kuppelachse, die Kraftübertrag-ung auf die übrigen Achsen erfolgt über die Kuppelstangen. Das Getriebe wird von der Feuer-büchse sowie dem Aschkasten komplett verdeckt. Als Höchstgeschwindigkeit wurden bei einer Spannung von 12 V eine Vorbild-geschwindigkeit von umgerechnet 45 km/h ermittelt. Dies entspricht der bei Versuchsfahrten erreichten Höchstgeschwindigkeit des Vorbilds, zulässig waren im Reibungsbetrieb max. 25 km/h. Der Zahnradantrieb wird von der Treibachse über ein Zwischen-zahnrad auf das hintere der beiden Zahnräder im Zahnradrahmen abgeleitet. Das Zahnradinnentriebwerk ist somit direkt mit den Reibungstriebwerk verbunden und läuft immer mit, wenn das Modell in Bewegung ist. Der Zahnradrahmen sitzt auf den beiden benachbarten Kuppelachsen. Die beiden Zahnradachsen sind über Kuppelstangen verbunden, wobei das vordere Zahnrad lose auf der Achse sitzt. Dadurch wir ein Klemmen auf der Zahnstange verhindert. Da das Zahnstangensystem von Micro erst in Kürze ausgeliefert wird, konnte der Zahnradbetrieb nur auf einer provisorisch auf dem Gleiskörper befestigten Zahn-stange getestet werden. Dabei wurden die beiden Zahnstangenenden zur besseren Einfahrt leicht nach unten abgewinkelt. Trotz des ungefederten Zahnstangeneinlaufs war eine Einfahrt in den Zahnstangenabschnit problemlos möglich. Für den Fall, daß Zahn auf Zahn traf, war ein kurzes Aufklettern auf die Zahnstange zu beobachten, welches jedoch lt. Hersteller bei Verwendung der gefederten Einlaufstücke ausgeschlossen werden kann. Trotzdem sollte natürlich die Geschwindigkeit beim Einfahren in den Zahnstangenbereich reduziert werden. Die Fahreigenschaften konnten nur auf der geraden Stecke untersucht werden, lt. Hersteller sollen im Zahnstangenbereich Radien ab 888 mm (ROCO R10) problemlos durchfahren werden können.

Das Zahnstangensystem wird in Kürze ausgeliefert und kann sowohl für die bereits erschienenen Zahnradlokomotiven bay. PtzL ¾ und KKStB Serie 269 als auch für die bereits angekündigten Modelle der KKStB Serie 297, Serie 69 sowie die württ. Hz verwendet werden. Letztere fuhr als Vorbild allerdings auf einer Zahnstange nach dem System Klose-Bissinger. Die Zahnstange ist für das ROCO-LINE Gleissystem mit 2.1 mm Profilhöhe ausgelegt und wird in einer Grundpackung und in einer Erweiterunspackung erhältlich sein. Die Grundpackung enthält Zahnstangenstühle und Zahnstangenelemente für einen Meter Zahnstangenstrecke, je ein Zahnstangenein- bzw. Ausfahrtstück, Bohr- und Modullehre sowie Bohrer und Klebstoff. Die Erweiterungspackung enthält Zahnstangenstühle und Zahn-stangenelemente für einen Meter Zahnstangenstrecke sowie Klebstoff. Der Preis liegt bei DM 268,- bzw. 198,-. Die Montage der Zahnstange soll lt. Hersteller einfach zu bewältigen sein. Zuerst werden die Schwellen mit der beigefügten Schablone mittig gebohrt, die Zahnstangenstühle werden anschließend mit Spezialkleber auf die Schellen geklebt. Die Zahnstangenstühle weisen zwei Aussparungen auf, in welche die beiden Zahnstangenprofile eingesetzt werden. Mit der Modullehre erfolgt die Ausrichtungen der beiden Zahnstangen zueinander. Im Gegensatz zum Vorbild sind die beiden Zahnstangenlamellen nicht um den halben Zahnabstand gegeneinander versetzt. Abschließend werden am Anfang und am Ende des Zahnstangenabschnitts noch die beiden gefederten Einfahrt- und Auslaufstücke montiert. Dies sollte nach Möglichkeit auf einem geraden Gleisstück erfolgen. Das komplette Zahnstangensystem ist in Messing gefertigt.

Zum vollständigen Fahrvergnügen fehlen jetzt nur noch die passenden Erzwagen, die von WMK und BAVARIA in verschiedenen Ausführungen angekündigt wurden, belastbare Auslieferungstermine liegen aber noch nicht vor.

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Neue Länderbahn-Modellbahnprodukte

 

Aktuelle News von KH-Modellbahnbau

Wir haben ein neues Produkt. Die württ. K in Spur N ist fertig. Nachdem ich die entspr. Beschriftung in Kürze zu meinem Ätzer gebe, ist diese Version der BR 59 nun auch als Komplettbausatz oder Fertigmodell lieferbar. Auf unserer Homepage ist der neue Kessel mit Kurzdom zu sehen mit dem passenden Tender. Das es ein Kleinserienmodell ist, muß leider mit Lieferzeiten gerechnet werden. Das Fertigmodell kostet
DM 1999,-- mit schwarzer Lackierung. So dürften wohl alle K´s gefahren sein.

Leider vermisse ich in Ihrem Forum unseren Umbausatz Spur N pr. P 8 - Windschneide. Übrigens kommen in H0m in diesem Jahr noch eine pfälz. Ptzl 3/3 (BR 99.1) und eine Strassenbahn nach Bad Homburger Vorbild (Bj. 1905) auf den Markt. Diese Modelle bzw. Muster sind demnächst auf unserer Homepage zu sehen. Auch ein neuer H0/H0m - Katalog soll dann kommen. Unsere Website hat die Adresse: http//www.mrb.de/kh-modellbahnbau.hegermann Wir haben übrigens auch zahlreiche Bauteile Spur N für Länderbahn !


Auslieferung des württembergischen Packwagens Pwi Wü 09a von hammerschmid

Als erster Wagen einer angekündigten Serie limitierter Kleinserienmodelle württembergischer Reisezug-wagen erscheint im dritten Quartal der genannte Packwagen in Spur N in drei Ausführungen. Das aus Merssing und Silberstahl hergestellte hochdetaillierte Modell ist mit NEM-Kupplung und KK-Kulisse aus-gerüstet. Der Preis beträgt DM 460,- für das Fertigmodell.

Neu von Perlmodell: Der Bausatz des bad. BCi Bad-11 Personenwagen in bekannter Qualität. Außerdem sind bei Perlmodell nunmehr auch Schiebebildbogen für preuß. und badische Modelle erhältlich. Mehr Info finden Sie unter http://www.perlmodell.com

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